Clemens von König, Schladen

Nachhaltig Heizen
 
Wer in die Region Nordharz kommt, vermutet zunächst kaum Kurzumtriebsplantagen. Gute Böden und große Schläge zeugen von einer Region mit größeren Ackerbaubetrieben. Viele Zuckerrübenschläge verstärken den Eindruck. Und dennoch wird vom Gut Beuchte die Idee der Kurzumtriebsplantage in die Welt getragen. Energieholz vom Acker ist das Thema von Clemens von König. Er betreibt in Schladen südlich von Braunschweig das Gut Beuchte, ein Ackerbaubetrieb mit fast 500 ha. Getreide, Raps und Zuckerrüben sind die Hauptkulturen. Richtig leidenschaftlich wird Clemens von König, wenn es um KUP - die Kurzumtriebsplantage - geht. Wertschöpfung in der Region halten, klimaneutral heizen und Restflächen sinnvoll und nachhaltig nutzen, so lässt sich seine Motivation beschreiben. Begonnen hat alles mit der Errichtung eines Nahwärmenetzes in seinem Heimatort auf Basis einer Hackschnitzelheizung. Schnell war für den Landwirt klar: Der Rohstoff muss selbst erzeugt werden. Nur so macht man sich unabhängig von Preisschwankungen für den Rohstoff Holz. Nur so kann ist die Wertschöpfung von der Produktion des Rohstoffes bis zur Wärmelieferung in einer Hand. Nur so lassen sich langfristige Verträge mit Preisstabilität abschließen, ein Faktor der für viele Wärmekunden wichtig ist; die sich langfristig an einen Wärmelieferanten binden möchten.
 
Damit fiel der Startschuss für Kurzumtriebsplantagen, kurz KUP. Die Flächen finden sich auch in fruchtbaren Ackerbauregionen. Fast überall gibt es Flächen die schlecht geschnitten oder zu klein für den effizienten Ackerbau sind. Und es lohnt sich: Auch der Deckungsbeitrag übersteigt den von typischen Fruchtfolgen. Der Anbau ist recht einfach: Einmal gesteckt wachsen Pappel, Weide oder Robinie recht genügsam. Einzig im ersten Jahr ist die Kulturpflege sehr wichtig, damit die Unkräuter die Kultur nicht überwuchern. Danach muss nur noch alle 3 bis 4 Jahre geerntet werden. Weite Pflegemaßnahmen sind nicht nötig. Es wird kein Dünger und kein Pflanzenschutz mehr benötigt. Geentet wird, wenn das Laub gefallen ist. So bleiben alle Nährstoffe auf der Fläche. Die Bäume haben dann eine Höhe von 7 bis10 Metern und am Wurzelhals einen Durchmesser von 10 bis 15 cm. Die Ernte erfolgt entweder Absätzig und das Holz kann zwischen Fällen und Hacken auf der Fläche trocknen oder im Vollernteverfahren. Hier werden Fällen und Hacken mit Feldhäckslern oder mit Anbauhackern in einem Arbeitsgang erledigt. Dann sollten die Hackschnitzel aber vor dem Verheizen getrocknet werden.
 
Am besten lassen sich die Hackschnitzel über die Wärmenutzung vermarkten, ist Clemens von König überzeugt. Seine ersten Erfahrungen mit dem Wärmecontracting hat er 2008 mit dem Aufbau des Nahwärmenetze in Beuchte gemacht. Hier werden 65 Haushalte von einer Hackschnitzelheizung mit zwei 250 kW-Kesseln mit Wärme versorgt. Wurden im Anfang mit Waldhackschnitzeln gearbeitet kommen die Hackschnitzen heute ausschließlich von Kurzumtriebsplantagen. Mittlerweile bietet der zweifache Familienvater das komplette Programm an: Von den Mutterquartieren (sprich der Stecklingsproduktion) über das Anlegen von Kurzumtriebsplantagen bis hin zur Erzeugung und zum Vertrieb von Wärme. Darüber hinaus berät er, wenn es um die Planung von Versorgungskonzepten geht. Der Landwirt ist sich sicher, dass es in jeder Region ausreichend Flächen gibt, die schlecht geschnitten sind, und mit denen sich mit Kurzumtriebsplantagen mehr Geld verdienen lässt als mit Ackerbau – und das ohne großen Aufwand an Dünger und Pflanzenschutzmittel.
 
Text: Bernd Feuerborn, dlz; Fotos: Ledényi


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