Alexander Keller, Gutenzell-Hürbel

 
Kühe über alles

Dass Landwirt Alexander ein Faible für Milchkühe hat, ist ihm sofort anzumerken, wenn man mit ihm durch den Stall geht. Immer wieder fällt sein freudestrahlender Blick auf seine Kühe. Zwischendurch streichelt er die eine oder andere Kuh auch, und hat fast von jeder Kuh einige interessante Details im Kopf, über die er gerne erzählt.  
Der Landwirtschaftsmeister und Betriebswirt ist seit 2002 im elterlichen Betrieb im baden-württembergischen Gutenzell-Hürbel tätig. Zusammen mit Vater und Mutter hat er eine GbR gegründet. Ehefrau Katja Keller geht zwar einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit nach, kümmert sich aber um die betriebliche Büroarbeit. Bereits 2003 hat er zusammen mit den Eltern einen neuen Stall für 75 Kühe auf die grüne Wiese gebaut. Trotz Milchquote haben die Kellers sukzessive in die Milchviehhaltung investiert. So stehen momentan 190 Kühe im Stall, rund 1,7 Mio. kg Milch jährlich liefert die Keller GbR an die Milchwerke Schwaben in Ulm. Gemolken wird in einem 2x6er Fischgrätenmelkstand und einem Roboter. Entsprechend hat Milchbauer Keller die Herde aufgeteilt. „Das hat den Vorteil, dass ich Kühe, die mit dem Roboter nicht klarkommen, weiterhin melken kann und nicht verkaufen muss“, erläutert er die Gründe. Keller achtet besonders aufs Tierwohl, die Laufflächen sind mit Gummimatten ausgelegt, die Liegeflächen sind Tiefboxen mit Einstreu. „Die Kühe nehmen die Liegeboxen auch bei großer Hitze sehr gut an“, freut sich Keller. Zudem hat er für die Kühlung Ventilatoren eingebaut. Der große Kuhkomfort macht sich auch bei der Milchleistung bemerkbar. Die „Roboterkühe“ kommen auf rund 10.000 kg /Jahr und Kuh, die „Melkstandkühe“ auf rund 9000 kg. Keller ist sich sicher, die Leistung noch steigern zu können. „Wegen der starken Aufstockung der Herde aus eigener Aufzucht haben wir wenig selektiert. Das wird jetzt anders.“       
Trotz des derzeit zu niedrigen Milchpreises, der seine Vollkosten von 36 Cent/kg nicht deckt, will der junge Landwirt seine Herde weiter aufstocken. Im Herbst plant er das Jungvieh auf einen Nachbarbetrieb auszulagern und so Platz für weitere 50 Kühe zu schaffen, immerhin muss er ja nun dafür keine Milchquoten mehr kaufen. Der jetzige Melkstand bietet noch weitere günstige Ausbaumöglichkeiten. Ohnehin haben die Kellers mit 6.500 €/Stallplatz sehr niedrige Baukosten für ihren Stall. Das liegt auch an dem hohen Anteil an Eigenleistungen, die die Familie eingebracht hat. Zudem versucht der Milchviehhalter über Maschinenkooperationen, z.B. Güllegemeinschaft, und Lohnunternehmen seine Kosten für den Außenbereich so niedrig wie möglich zu halten. „Bevor ich etwas neue anschaffe, prüfe ich, ob sich das wirklich lohnt“, schildert er seine Devise.  Derzeit überlegt er, ob er die Pflanzenschutzarbeiten komplett erledigen lässt. Denn diese Arbeiten kollidieren oft mit den Silierterminen und eine ordentliche Silage ist enorm wichtig.  
Doch Keller sieht sein Wachstum im Milchviehstall noch nicht am Ende. Im Hinterkopf hat er, dass er den Stall in Zukunft spiegeln kann, und so rund 400 Kühe halten kann. Ob er dann ganz auf Melkroboter umstellt oder ein Melkkarussell baut, weiß er heute noch nicht. „Das hängt auch davon ab, inwieweit ich zuverlässige Mitarbeiter finde“, erklärt Keller. Spezialisierung ist ihm wichtig, um die Kosten- und Arbeitsvorteile voll nutzen zu können.
Neben seinem 57-jährigen Vater und ihm beschäftigt die Keller GbR derzeit noch ein Fremd-AK und einen Auszubildenden. Um auch überregional neue Auszubildende zu finden, entwickelt der junge Landwirt gerade auch eine eigene Homepage für den Betrieb. Bei weiterem Wachstum kann er so vielleicht auch neue Arbeitskräfte leichter gewinnen. „Zudem erreiche ich übers Netz auch viel mehr Verbraucher, die sich über moderne Tierhaltung informieren wollen“. Auch mit dem SWR-Rundfunk hat er schon zusammengearbeitet.  
Wegen des schlechten Milchpreises 2015 ist er sicher, dass dies ihm die Bilanz verhageln wird. Glücklicherweise hat Alexander Keller 2012 in eine 75 kW-Biogasanlage investiert, die er zu 92 Prozent mit Gülle betreibt. Da er kostengünstig bauen konnte, werfe sie jetzt ein ordentliches Ergebnis ab. „Das ist derzeit ein stabiles Standbein für die Keller GbR“, räumt er offen ein.
Erstaunlich ist, dass der junge Landwirt noch Zeit für ehrenamtliches Engagement findet. So ist er Ortsobmann und in der Vorstandschaft der Kreisbauernschaft und des Maschinenringes vertreten. Ebenso sitzt er für die CDU im Gemeinderat von Gutenzell-Hürbel und ist in der Freiwilligen Feuerwehr Hürbel aktiv.
 
 
Text: dlz-Redaktion; Bilder: Philipp Ledényi   


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