Andreas Schmidt, Medebach

 
Auf drei Beinen stehen

Andreas Schmidt hat seine Milchviehhaltung stetig erweitert. Aber er ist auch auf anderen Feldern aktiv und erfolgreich.
Was für die einen zur alleinigen Lebensaufgabe wird, ist für Andreas Schmidt und seine Familie nur eines von drei Standbeinen. 2012 zogen seine Kühe in den neuen Boxenlaufstall mit 200 Liegeboxen. Gegenwärtig melken dort zwei Roboter 120 Kühe. Der Raum für einen dritten Melkautomat ist schon vorhanden und würde 60 Kühe zusätzlich möglich machen. Doch damit nicht genug. Die Schmidts engagieren sich außerdem im Tourismus und in der Energiewirtschaft. Auf diese Weise haben sie es geschafft ein Betriebskonzept aufzubauen, das für die Zukunft trägt und sich dabei gegenseitig vortrefflich ergänzt. „In unserem Betrieb gibt es sehr wenig Ich und ganz viel Wir“, erläutert Andreas Schmidt. Und ergänzt: „Wir leben den Begriff Familienbetrieb auch mit unseren Mitarbeitern. Jedes Familienmitglied und jeder Mitarbeiter hat verantwortliche Zuständigkeiten. Die Entscheidungen werden gemeinsam gefällt und verantwortet. Und der Erfolg gibt uns recht.“
Die Betriebsstelle wurde 1965 ausgesiedelt. 1993 bauten die Schmidts einen 60er-Boxenlaufstall. 2012 zogen sie mit den Tieren in den neuen Stall. Der Betrieb verfügt über 110 ha Dauergrünland. Außerdem kauft er vom hessischen Bodenverband über einen langjährigen Anbauvertrag jährlich 1.000 bis 1.500 t Silomais zu.
Die Durchschnittsleistung der Kühe liegt bei rund 9000 kg je Kuh und Jahr. Während die melkenden Kühe und Trockensteher im neuen Stall untergebracht sind, ist das Jungvieh auf die alten Stallungen verteilt und wandert dort nach der Aufzucht mit Milch durch verschiedene Aufstallungsysteme. Zunächst noch auf Stroh, werden die Kälber abhängig von den Nachrückern zügig in Vollspaltenbuchten untergebracht. In solchen Buchten verbleiben sie bis zu einem Alter von 15 Monaten, um dann als deckfähige Rinder auf die andere Seite des Futtertisches in den Liegeboxenstall mit Spaltenboden zu wechseln. Zwischen den Rindern laufen Deckbullen. Zwei für die Rinder und Kühe benötigte Deckbullen werden über den hessischen Zuchtverband zugekauft. Überzählige Bullen auf dem Betrieb werden zur Zucht oder zum Schlachten weiterverkauft. Sobald die Rinder tragend sind, wechseln sie in einen zweiten abgetrennten Bereich des Liegeboxenstalls, um dann vier bis sechs Wochen vor dem Kalben in den neuen Kuhstall umgestallt zu werden.
Im Betriebszweig Energiewirtschaft wird Sonnenenergie über Photovoltaik-Anlagen mit einer Kapazität von insgesamt 383 kW verstromt. Eine 75-kW Biogasanlage vergärt außerdem Gülle, Mist, Futterreste und kleinere Mengen Silomais und Grassilage.
Für Touristen vermietet Familie Schmidt sieben Ferienwohnungen und 30 Campingplätze. Auszeichnungen, die der Betrieb erhalten hat, zeugen vom hohen Standard, den die Schmidts in diesem Bereich erreicht haben. Durch die Melkroboter sind die Schmidts zeitlich flexibel. Das ist günstig bei der Organisation aller Betriebszweige. Arbeitswirtschaft ist auf einem so breit angelegten Betriebskonzept eine entscheidende Größe, die von der Familie aber schon weitestgehend optimiert wurde. Die Gäste auf dem Hof haben die Möglichkeit, die Landwirtschaft hautnah zu erleben. So sind die Ställe zwischen 16:30 und 18:00 Uhr für die Feriengäste offen. So tragen die Standbeine nicht nur zum wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs bei, sondern verschaffen interessierten Besuchern auch einen Einblick in den landwirtschaftlichen Alltag.

 
Text: dlz-Redaktion; Bilder: Philipp Ledényi  


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