Andreas Schmidt, Medebach

Es brummt überall

An Auszeichnungen mangelt es dem Hof Hasenkammer im sauerländischen Medebach nicht. Der Betrieb zählt seit Jahren regelmäßig zu den beliebtesten Ferienhöfen in Deutschland und bietet neben Ferienwohnungen auch einen Campingplatz. Ständig tüfteln Andreas Schmidt und seine Familie an Ideen, um den Gästen immer wieder Neues zu bieten. Dabei setzen sie bewusst nicht auf Streichelzoo-Idylle, sondern präsentieren unter anderem mit dem neuen Laufstall, der für 200 Kühe ausgelegt ist und zwei Melkroboter beherbergt, sowie einer Kompaktbiogasanlage moderne, funktionale Landwirtschaft. Kurz: Es brummt auf dem ganzen Hof.

110 ha bewirtschaftet Schmidt, alles Grünland. Den Mais, den er für die Futterration der Kühe braucht, beschafft er seit Jahren über Anbauverträge mit dem hessischen Bodenverband. Das entlastet ihn; finanziell, da er nicht in Maschinen für Ackerbau investieren muss, und in der Arbeitswirtschaft. Zwar packen alle aus der Familie mit an. Ehefrau Gudrun sowie Sohn Steffen arbeiten voll im Betrieb mit, zeitweise auch Tochter Juliane, die eine Ausbildung als Erzieherin macht. Trotzdem bleibt es eine ständige Herausforderung, die Anforderungen der drei Betriebszweige auszutarieren. Keiner soll auf Kosten eines anderen am Laufen gehalten werden. Denn darauf legt Schmidt Wert: „Jeder Betriebszweig muss für sich allein wirtschaftlich sein.“ Derzeit tragen Tourismus und Kühe zu gleichen Teilen zum Betriebsgewinn bei. Wie der Energiezweig abschneidet, mag Schmidt noch nicht abschließend beurteilen. Dazu ist die Biogasanlage noch nicht lange genug am Netz.

Dafür sind die Erfahrungen im Betriebszweig Urlaub auf dem Bauernhof umso länger. Schon in den 1960-er Jahren, nachdem Andreas Schmidts Eltern, Franz Josef und Elisabeth Schmidt, den Betrieb aus der beengten Dorflage an den Waldrand ausgesiedelt hatten, bot der Hof Hasenkammer Gästen Unterkunft. Seither haben sich deren Bedürfnisse ständig verändert. Heute besteht das Publikum vorwiegend aus Familien mit Kindern, aber auch Großeltern mit ihren Enkeln. Auch wenn viele davon regelmäßig kommen, irgendwann bleiben auch sie aus, wenn die Kinder groß sind und andere Urlaubsziele als die der Eltern vorziehen. Andreas Schmidt sieht das gelassen: „Wir haben uns darauf eingestellt und erkannt, wie wichtig Mundpropaganda einerseits ist, aber auch wie stark die Bedeutung des Internets dabei gewinnt, immer wieder auf sich aufmerksam zu machen.“ Der Hofwebseite sieht man die Professionalität an. Sie lässt bezüglich Informations- und Kontaktmöglichkeiten keine Wünsche offen und kann sich mit den Angeboten reiner Beherbergungsbetriebe messen - mit einem kleinen, aber wichtigen Unterschied: Mit dem Namen Hasenkammer hat Schmidt eine klare, unverwechselbare Marke geprägt. Dass seine Marketingstrategie aufgeht, belegen die Zahlen. Mit den sieben Ferienwohnungen, den 30 Campingstellplätzen sowie drei so genannten Podhäusches - kleinen Holzhäuschen - bringt er es auf 250 Belegungstage im Jahr. Mit einer Auslastung von über 75 Prozent rangiert der Hof damit sogar deutlich über dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen. Weiterentwickeln und optimieren - das sind Schmidts Pläne für die nächsten Jahre. Ein anderer Plan: schrittweise Verantwortung abzugeben. Obwohl gerade Mitte 40, denkt er schon an die Nachfolge. Sohn Steffen, der gerade die landwirtschaftliche Fachschule besucht und mit dem Meister abschließen will, steht in den Startlöchern, erste Etappe: Übernahme der Milchviehhaltung. Schmidt will da gar nicht klammern, dem ihn selbst hat geprägt, mit Anfang zwanzig die Zügel am Hof in die Hand gelegt zu bekommen.  Zu erfahren, dass eigenes Geschick mit Erfolg belohnt wird, darin liegt wohl auch ein Grund, warum Andreas Schmidt mit Überzeugung unterstreicht: „Ich bin als Landwirt rundum zufrieden.“
 
Text: Detlef Steinert, dlz; Fotos: Ledényi


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