Anja Hradetzky, Lunow

Das Kuh-Start-up
Von 0 auf 100 – oder zumindest auf 31 Kühe, das hat Junglandwirtin Anja Hradetzky in Brandenburg geschafft. Innerhalb von 1,5 Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Milchviehbetrieb aus der Taufe gehoben, der sich sehen lassen kann und für den die beiden noch viele Pläne haben.
Start-up-Unternehmen haben per Definition zwei Besonderheiten: Sie sind innovativ und jung. Beides passt auf Anja Hradetzky und ihren Mann Janusz. Sie hatten Erfolg mit ihrem „grünen Startup“ – und das in einem Bereich, der nicht unbedingt für spontane Existenzgründungen bekannt ist. Im November 2014 haben die beiden inzwischen 29-jährigen Junglandwirte losgelegt und einen Stall sowie einige Flächen in Lunow-Stolzenhagen im nordöstlichen Brandenburg gepachtet. Inzwischen melken sie 31 Kühe nach Heumilch- und Demeter-Richtlinien, bewirtschaften rund 100 ha Land, vermarkten Rindfleisch und ziehen ihre Kälber mit Ammen auf. Durch den Einsatz von Zweinutzungsrassen und die Futtergewinnung überwiegend auf Naturschutzflächen (die kaum gedüngt und wegen der Bodenbrüter erst ab 1. Juli gemäht werden dürfen) ist die Milchleistung noch nicht besonders hoch; Anja Hradetzky ist aber optimistisch, mit etwas mehr Erfahrung noch mehr aus diesem Grundfutter herausholen zu können.
Das Geld für die ersten Anschaffungen haben sie zusammengespart, von der Bank geliehen und per Crowdfunding gesammelt. Außerdem verkauften sie in ihrem Umkreis fleißig Kuhanteile, deren Eigner ihre Zinsen in Milch und Fleisch ausbezahlt bekommen. Ihre Energie und ihr Erfindungsreichtum, die sich an jeder Ecke des Hofs zeigen, helfen den beiden, die immense Arbeitsleistung zu stemmen. Denn neben der täglichen Arbeit mit den Kühen, die per mobilem Weidemelkstand gemolken werden, stehen der weitere Ausbau des gepachteten Hofteils an und die Einrichtung einer eigenen Käserei. Das erfordert Zeit und viel Muskelkraft.
Hilfreich ist dabei das verlässliche Netzwerk der beiden, das sie teils auf ihren Reisen, teils im eigenen Dorf aufgebaut haben. Wenn Not am Mann ist, finden sich dadurch immer wieder Helfer. Im Ort selber sind die Hradetzkys inzwischen eine feste Größe, vor allem durch den Bauernmarkt, den sie organisieren und auf dem auch andere Junglandwirte aus der Region ihre Produkte anbieten können. Und auf ihre Internetseite „Stolze Kuh“ (wwwstolzekuh.de) sind inzwischen auch deutschlandweit die Medien, wie beispielsweise die Süddeutsche Zeitung, aufmerksam geworden.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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