Bernhard Karrer, Lengdorf

 
Biogas mit Weitblick

Bullenmäster und Biogasbauer Bernhard Karrer aus Lengdorf bei Erding hat viele Ideen, wie er seinen Betrieb weiterentwickeln will. Doch momentan hat er es gar nicht eilig, diese umzusetzen. Schließlich hatte er in den vergangenen acht Jahren in einem enormen Tempo einen Vollerwerbsbetrieb geschaffen. Leicht hatte es Bernhard Karrer dabei nicht, als er nach seiner Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister und Agrarbetriebswirt in den elterlichen Milchviehbetrieb einsteigen wollte. Wegen der Trennung seiner Eltern musste sich der junge Landwirtschaftsmeister Karrer kurzfristig umorientieren.
Doch Bernhard Karrer ließ sich von seinem Ziel und seiner großen Neigung nicht abbringen, als praktischer Landwirt zu arbeiten. 2007 pachtete er den väterlichen Betrieb mit 17 ha und den alten Stallgebäuden. „Viel zu wenig, um davon leben zu können. Das war mir klar“,  verdeutlicht der 31-Jährige. Kaum acht Jahre nach dem Einstieg hat er sich jedoch eine Zukunftsperspektive geschaffen, die sich sehen lassen kann.
Heute umfasst der Betrieb 90 ha, wovon 60 ha Acker und 30 ha Grünland sind, und eine Biogasanlage mit jeweils zwei 190 kW-Blockheizkraftwerken (BHKW). Damit kann der Jungunternehmer überdurchschnittliche Ergebnisse erwirtschaften. Seine Eigenkapitalquote konnte er trotz des hohen Pachtanteils von über 80 Prozent inzwischen verdoppeln. 2009 hat Bernhard Karrer dann den väterlichen Betrieb übernommen. Die Chancen, die ihm eine Biogasanlage bietet, erkannte der junge Landwirt, als er sich im Herrschinger Grundkurs mit anderen Kollegen austauschte. „Mir war klar, jetzt oder nie.“ So fackelte Karrer nicht lange. Ende 2009 ging die erste 190 kW-Anlage bereits ans Netz. Daneben hat er in den alten Stallgebäuden noch 60 Bullenmastplätze geschaffen, um die notwendige Güllegrundlage für die Biogasanlage zu haben. Über die Hälfte des notwendigen Substrates erzeugt Karrer aus seiner Betriebsfläche. Den Rest kauft er von Berufskollegen zu. So bleibt die Biogasanlage im landwirtschaftlichen Betrieb und er hat keine Probleme mit Versicherungen, Gewerbesteuer oder der Kfz-Steuerbefreiung für seine Traktoren.
Kurz bevor die Novelle des EEG 2012 in Kraft trat, erweiterte er die Anlage um ein weiteres 190 kW Blockheizkraftwerk (BHKW). Um das Risiko wegen der damaligen Unklarheiten des Anlagenbegriffes zu begrenzen, hat er das zweite BHKW in einer Unternehmergesellschaft (u.G) installiert. Damit war die Haftung für Karrer aus seiner Einlage begrenzt. Die Weitsicht erwies sich als richtig. Denn 2013 hatte der Bundesgerichtshof den erweiterten Anlagenbegriff bejaht. Somit musste Karrer zwar einen Teil der Einspeisevergütungen zurückzahlen, doch die Insolvenz der Unternehmergesellschaft konnte er durch einen Kompromiss mit seinem örtlichen Energieunternehmen Kraftwerke Haag vermeiden. „Ich wollte als verlässlicher Partner gelten“, nennt der Biogasbauer seine Motivation, die Unternehmergesellschaft weiterlaufen zu lassen.   
Schließlich hatte er nebenher auch ein Nahwärmenetz aufgebaut. Heute beliefert er insgesamt 12 Abnehmer in der Nachbarortschaft. Auch für sein eigenes Haus und die neue Maschinenhalle nutzt der die Biogasabwärme.         
Momentan setzt Karrer auf eine intensive Fruchtfolge mit Mais, Weizen und Ganzpflanzensilage (GPS). Um die neuen Greening-Auflagen zu erfüllen, experimentiert er mit Untersaaten in der GPS und mit dem Luzernenanbau. Diese kann er gut in der Bullenmastfütterung einsetzen. Zwar ist er an weiteren Zupachten interessiert, um die Fruchtfolge weiter gestalten zu können und auch genügend Fläche für das Ausbringen der Gärsubstrate zu haben. „Doch oft sind mir die Pachtpreise in der Region zu hoch“, schildert Karrer seine Probleme.  Dabei verfügt Karrer schon über einen moderaten Maschinenpark. Denn das Gras- und Maissilieren oder der Mähdrusch organisiert der Bullenmäster über den Maschinenring. Zudem hat er nur zwei eigene Schlepper auf dem Hof und nutzt zusätzlich jährlich einen neuen Mietschlepper für rund 500 Stunden im Jahr.  
Im vergangenen Jahr hat der Biogasbauer in einen Gärsubstrattrockner investiert, um seine Nährstoffmengen weiter zu reduzieren und die Biogaswärme noch effektiver zu nutzen. „Damit bin ich auf der sicheren Seite, wenn in den kommenden Jahren die neuen Düngevorgaben von 170 kg N/ha greifen“, blickt Karrer in die Zukunft. Einen Teil der getrockneten Gärsubstrate kann er sogar als Einstreu an umliegende Pferdebetriebe vermarkten. Im Gegenzug nimmt er dann deren Mist ab.
Da Karrers Vater noch kräftig auf dem Hof mithilft, nutzt Karrer die Zeit, um als Betriebshelfer zu arbeiten. So generiert er nicht nur zusätzliches Einkommen. „Ich lerne so viele Betriebe kennen, und lerne hier noch einiges an Erfahrung dazu“, nennt der Jungbauer weitere Motivationsgründe. Zudem ist er noch im Meisterprüfungsausschuss und ehrenamtlich als 2. VlF-Vorsitzender tätig. Auch sein Hobby in der örtlichen Chor- und Theatergruppe lässt er sich nicht nehmen. „Ich bin gespannt, ob meine einjährige Tochter mir diese Freiheiten noch gönnt, wenn ich ab Herbst für zwei Monate in Elternzeit bin“, fragt sich Karrer und schmunzelt dabei. Denn seine Lebensgefährtin Manuela will dann wieder in ihrem Beruf arbeiten.    
Für die weitere Zukunft macht sich Karrer Gedanken, ob er eventuell in die Fresseraufzucht einsteigen wird. So haben im Erdinger Landkreis etliche Betriebe in den letzten Jahren die Bullenmast ausgedehnt. Sie setzen stärker auf den Zukauf von Fressern mit rund 200 kg. „Kurzfristig will ich aber erst einmal die Fütterung der Jungbullen, die Biogasanlage und den Ackerbau weiter optimieren“, erklärt er seine Ziele. Auch bei der Vermarktung seiner Gärsubstrate sieht er noch Potential.

 
Text: dlz-Redaktion; Bilder: Philipp Ledényi   


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