Christian Bug, Petersberg

Der Beruf der Möglichkeiten
Egal ob er als agrarpolitischer Sprecher der Hessischen Landjugend eine Rede vor den Spitzenpolitikern seines Bundeslandes hält oder seinen Auszubildenden im Milchviehstall das richtige Anlegen der Melkbecher erklärt, die Leidenschaft für seinen Berufsstand spricht bei Christian Bug (29) aus jedem Satz. Landwirt begreift er als Beruf der Möglichkeiten und den Gestaltungsspielraum, den ihm sein Milchviehbetrieb mit Biogasanlage im hessischen Petersberg gibt, nutzt er auch voll aus.
 
Für den Hof, den er zusammen mit seinem Vater als GbR führt, verfolgt Bug die Strategie optimieren statt expandieren. Die Betriebszweige Acker-/Futterbau (170 Hektar), Milchvieh (95 Kühe plus weibliche Nachzucht) und Biogas (220 kW Bemessungsleistung) sind in ihren Dimensionen so aufeinander abgestimmt, dass ein nahezu geschlossener Kreislauf entsteht. Einzig die bisher ungenutzte Abwärme der Biogasanlage fügt sich noch nicht in das Konzept ein. Der findige Junglandwirt sondiert aber bereits Nutzungskonzepte wie Fischmast oder einen Gemüsetunnel. Beides würde sich auch zu seinem Traum von einer Direktvermarktung seiner Produkte auf dem Hof passen.
Zuerst will er aber den Milchviehstall modernisieren: ein neues Melkzentrum soll das tägliche Melken schneller machen, für das die beiden Auszubildenden sowie Bug und sein Vater im Wechsel derzeit noch jeweils drei Stunden mogens und abends brauchen. Darüber hinaus sollen neue Abkalbeboxen und Relax-Strohbereiche den Kuhkomfort noch weiter steigern. Aktuell quittiert die schwarz-bunte Herde sein Management mit einem Stalldurchschnitt von fast 11.000 kg/Jahr.
Im Stall wie auch in allen anderen Lebensbereichen vertritt der redegewandte Junglandwirt seine Überzeugungen mit stets guter Laune, viel Motivation, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen – zur Not auch vor Gericht. Nachdem eine Bürgerinitiative die 2013 neu gebaute Biogasanlage drei Tage vor Inbetriebnahme per gerichtlicher Anordnung stoppen ließ, kämpfte er sich fast ein ganzes Jahr lang beharrlich durch mehrere Instanzen bis das erste Kilowatt ins Stromnetz fließen konnte. Auch die teils aufwendigen Auflagen – beispielweise darf der Silostock, aus dem die Anlage gespeist wird, nie länger als eine Stunde unabgedeckt sein oder nur ein Fass Gärsubstrat pro Stunde abtransportiert werden – halten Christian Bug nicht auf. Er ist schließlich Überzeugungstäter.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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