Friedrich-Wilhelm Temme, Borgholzhausen

Immer einen Schritt voraus
Friedrich-Wilhelm Temme aus Borgholzhauen im Landkreis Gütersloh ist Züchter aus Leidenschaft. Das verwundert nicht, denn dem heute 57-Jährigen wurde diese Passion sozusagen schon in die Wiege gelegt. Seit mehreren Generationen werden auf dem Hof Schweine gezüchtet. Stand früher die Eberzucht im Mittelpunkt, hat sich der staatlich geprüfte Landwirt, der Mitte der 1980er-Jahre den elterlichen Betrieb übernahm, heute der Jungsauenvermehrung verschrieben. Mit 210 Stammsauen produziert er für das Zuchtunternehmen Topigs Jungsauen und wurde von diesem aufgrund der erzielten Leistungen mehrmals als Vermehrer des Jahres ausgezeichnet. Zu Buche stehen heute für einen Zuchtbetrieb sehr bemerkenswerte knapp 32 abgesetzte Ferkel pro Sau und Jahr, bei sehr niedrigen Saugferkelverlusten von 6 Prozent.
Grundlage hierfür ist neben einer intensiven Tierbetreuung ein ausgeklügeltes Gesundheits- und Hygienemanagement. Der Bestand hat einen sehr hohen Gesundheitsstatus, ist unter anderem frei von PRRS, APP und Mykoplasmen. Um diesen nicht zu gefährden, wird penibel auf Hygiene und Biosecurity geachtet. So gibt es eine strikte Schwarz-Weiß-Trennung. Für Besucher gilt Duschzwang und sie dürfen 48 Stunden vorher keinen Kontakt zu Schweinen haben. Für jedes Abteil gibt es zudem eigene Gerätschaften, um eventuelle Keime nicht zu verschleppen. Lohn all dieser Maßnahmen sind nicht nur gesunde Tiere, sondern auch ein minimaler Einsatz von Antibiotika.
Das Thema Tierwohl liegt Friedrich-Wilhelm Temme, der auch im Ehrenamt aktiv die Interessen der Schweinehalter vertritt, schon lange am Herzen. So hat er bereits vor einigen Jahren begonnen, nach Lösungen zu suchen, seine Schweine mit intakten Ringelschwänzen aufzuziehen. Als Züchter sieht er sich in der Verantwortung – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion um das Schwänzekupieren – immer einen Schritt voraus zu sein. Und das ist ihm auch gelungen, denn er kann heute seinen Abnehmern Jungsauen mit langen Schwänzen anbieten, was ihn zu einem Vorreiter auf diesem Gebiet macht. Angefangen bei den Zuchtsauen, über die Ferkel bis zu den Jungsauen sind auf dem Betrieb fast nur noch Tiere mit intakten Schwänzen zu finden.
Hierzu arbeitet der findige Landwirt viel mit Stroh und hat dazu einige pfiffige Lösungen entwickelt, um einerseits das Wohlbefinden der Tiere zu maximieren und andererseits auch die Arbeitswirtschaftlichkeit zu optimieren. Probleme mit Schwanzbeißen sind sehr selten – und wenn, dann steht sofort ein „Notfallkoffer“ bereit, um das Geschehen bereits im Keim zu ersticken. Wichtig ist Friedrich-Wilhelm Temme, die Tiere stets im Blick zu haben – getreu dem Motto „Das Auge des Herrn mästet das Vieh“.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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