Ingo Mardink, Wilsum

Der Neueinsteiger
Kaum springt die Schnecke an, rennen die Legehenne los: 8 Sekunden lang rieselt mehrmals täglich Maissilage in den Legehennenstall von Ingo Mardink aus Wilsum in der Grafschaft Bentheim. Kaum eine Minute später ist der Spuk schon wieder vorbei. „Man findet nichts mehr vom Mais, selbst die Spindeln picken die Legehennen weg“, erzählt der 39-jährige Landwirt.
Erst seit Ende 2010 hält Ingo Mardink überhaupt Legehennen. Vorher standen auf dem Betrieb ausschließlich Milchkühe. Der Landwirt war – entgegen der Beratermeinung – auf der Suche nach einem zweiten Betriebszweig, der arbeitswirtschaftlich zu den Milchkühen passte. „Immer, wenn ich über den Hof laufe, denke ich daran, was man noch machen könnte. Ich suchte nach etwas, das wenig Arbeit macht, eine hohe Rendite hat und zu den Kühen passt.“ Um die Zukunft des Betriebes zu sichern und genügend Einkommen für vier Generationen zu generieren, entschied er sich für die Freilandhaltung von Legehennen und baute einen Stall für 24.000 Tiere. „Ich bin froh, dass wir uns für die lukrativere Freilandhaltung entschieden haben und die Eier unabhängig an Packstellen vermarkten können, statt als Lohnhalter Knecht auf meinem eigenen Hof zu sein“, sagt der Landwirt. So verhandelt er für jeden Durchgang die Preise neu.
Außerdem setzte er von Beginn an auf das Thema Tierwohl. Seine Hennen haben inklusive Wintergarten mit 7 Tieren pro m² mehr Platz, als gesetzlich vorgeschrieben. In der Regel stallt er deshalb nur 20.000 Tiere auf. „Die Hennen sollen sich wohl fühlen. Nur dann legen sie Eier, ich habe Spaß an meiner Arbeit und fühle mich ebenfalls wohl im Stall“, fasst er zusammen. Diese Entscheidung spielt ihm jetzt in die Karten. Die Besatzdichte scheint ein wichtiger Faktor zu sein, um Federpicken vorzubeugen. Obwohl er sich erstmal selbst in die Legehennenhaltung einarbeiten musste, nahm er außerdem ziemlich schnell an einem Projekt teil und stallte Hennen auf, deren Schnabel nicht kupiert sind. Natürlich hoffte er, von der zusätzlichen Beratung profitieren zu können. Aber sich darauf auszuruhen ist nicht das Ding von Ingo Mardink. Er wurde selbst aktiv und experimentierte mit der Fütterung von Maissilage. „Ich hatte davon gehört und war von den Vorteilen überzeugt. Aber wie sollte man die Silage ohne großen Aufwand in den Stall bekommen?“ Ihm war klar, dass es auf lange Sicht arbeitswirtschaftlich nur vollautomatisch funktionieren kann. Über ein halbes Jahr hat er geplant, getüftelt und experimentiert – jetzt funktioniert es. Die Hennen profitieren von den Vorteilen, wie der zusätzlichen Beschäftigung und der besseren Darmgesundheit. Ingo Mardink hat für sich berechnet, dass er ein wenig bei den Futterkosten spart. Das ist allerdings nicht sein Hauptanliegen. Er möchte ohne Probleme unkupierte Hennen aufstallen. Wenn man sieht, wie gut die Tiere im Stall aussehen und wie gerne sie den Mais fressen ist dies gelungen.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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