Ingo Metzler, Egg (Österreich)

Der Milchveredler
Ingo Metzler stellt die Theorie der Direktvermarktung auf den Kopf. Sein Betrieb mit Hofladen liegt nicht an einer vielbefahrenen Straße und auch nicht in der Nähe einer größeren Stadt und der Besuch kostet Geld, dafür gibt es aber auch eine Verkostung. Dennoch schafft es der gewiefte Landwirt, dass jährlich über 10.000 Besucher die engen Straßen zu seinem Betrieb in Egg im Bregenzerwald im österreichischen Vorarlberg förmlich hochklettern. Grund dafür ist sein einzigartiges Betriebskonzept: „Bauernhof be-greifen“ und „Emotionen verkaufen“. Neben Streichelzoo für die Kinder gibt Metzler auch einen hervorragenden Einblick in die naturnahe Haltung von Kühen und Ziegen. Zahlreiche Schilder auf dem Hof erklären wichtige Details der Landwirtschaft. Metzlers Betrieb erzeugt ausschließlich Heumilch. Dafür trocknet er das Heu nicht auf dem Feld, sondern unter  dem Dach in der Lagerhalle über dem Stall. Für die Trocknung nutzt er fast ausschließlich die Sonnenenergie. Nur an Regentagen setzt er einen speziellen Luftentfeuchter ein, für den er noch Strom aus der Steckdose benötigt. „Mein Ziel ist aber, dass der Betrieb in den nächsten Jahren mengenmäßig so viel Strom produziert, wie verbraucht wird“, steckt Metzler seine Pläne ab.
Daher wird sein neues Projekt, die neue Molke-Manufaktur, was die Wärmeenergie betrifft, autark sein. So wird künftig der Untergrund des Gebäudes über den Sommer mit Wärme aufgeladen, um dann in der kälteren Jahreszeit zu heizen. Spätestens Ende des Jahres will er in dem neuen Gebäude die ersten Kosmetikprodukte herstellen. Der Bau war nötig, weil die bisherige Produktionsstätte wegen der starken Nachfrage aus den Nähten platzte. Auch ein eigener Besucherrundweg ist eingeplant, bei dem die Besucher nicht nur die Herstellung bestaunen, sondern auch hören und riechen können. Getreu nach Metzlers Motto: „naturhautnah“. Immerhin stellen die Metzlers neben 20 Käsesorten auch über 40 naturnahe Kosmetikprodukte ohne Konservierungsstoffe her, und zwar aus dem Nebenprodukt der Käseproduktion, der Molke. Rund 40 Prozent seiner Produkte verkauft Ingo Metzler im Inland, 60 Prozent gehen ins Ausland, auch Finnen oder gar Chinesen zählt er zu seinen Kunden.
Teures Marketing haben die Metzlers nicht nötig. „Mir sind die Besucher auf meinem Hof sehr wichtig, weil sie nicht nur selbst Produkte kaufen, sondern unsere Idee anderen erzählen“, gibt der Ziegenhalter seine Strategie preis. In den Anfangsjahren nutzte Metzler noch TV-Shopping um bekannt zu werden. Nun reichen Betriebsbesuche mit Hofkino, ein attraktiver Internetauftritt und gezielte Vertriebskooperationen mit Wellness-Hotels aus der Region.
Bei einem derart guten Absatz können die Metzlers natürlich nicht täglich die benötigten 2.000 l Milch selbst erzeugen. Deshalb kauft der Milchveredler Metzler rund zwei Drittel von acht benachbarten Landwirten zu. Metzler unterstützt die Landwirte mit seinem Know-how in der Ziegenhaltung, Rassenwahl oder in Einzelfällen auch mit zinslosen Darlehen und zahlt mit einem 1 Euro/kg Milch einen auskömmlichen Preis.
Doch nicht nur Berufskollegen bietet Metzler damit neue Einkommenschancen. Derzeit beschäftigt der Landwirt insgesamt 24 Arbeitskräfte, 19 davon sind Fremdarbeitskräfte, 5 Familienkräfte, wie seine Ehefrau, sowie seine drei Söhne Manuel, Elias und Lukas. Der vierte Sohn Jonas absolviert gerade eine Zusatzausbildung zum Koch.
Dabei hat Ingo Metzler seinen Söhnen feste Arbeitsbereiche zugewiesen und die Zuständigkeiten klar geregelt. So ist zum Beispiel Manuel Chef der Sennerei oder Elias „als Kuhflüsterer“ kümmert sich um dieTiere, die Flächenbewirtschaftung und Logistik. Lukas ist in der Kosmetik-Produktion beschäftigt und macht Besucherführungen. Zwei Söhne sind bereits im Vorfeld der Hofübergabe an der Metzler Käse Molke GmbH beteiligt.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


BILDERGALERIE Ingo Metzler
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