Judith Pfefferli, Wangen/ Olten

Verbraucher von morgen
 
Konrad Kupferhals muss herhalten. Die unglückliche, kupferfarbene Ziege versucht alles, um so wie alle anderen Ziegen auszusehen. Vergebens. An diesem Beispiel erklärt die Land-wirtin und Werklehrerin Judith Pfefferli, dass alte Tierrassen, Gemüse- und Obstsorten aussterben, weil sie nicht ins gewünschte Verbraucherbild passen.
 
36 aufmerksame Kinderaugen blicken die Bäuerin an. Durch geschickte Zwischenfragen schafft sie es, die Spannung zu halten und an Inhalte vorangegangener Kurse zu erinnern. Das ist ihr Geschäftssystem seit 2005: Lernen auf dem Bauernhof, kombiniert mit Spielen und Tierkontakten. Die 52-Jährige bietet jeden Nachmittag Kinderprojekte an: Bauernhofspielgruppe für 3 bis 5-jährige Kinder, welche einmal pro Woche kommen, Jahreszeitenkurse 1 bis 5 für Kindergartenkinder und Schüler, Gartenkurse und Thementage für Schulklassen. Die Jahreszeitenkurse sind  regelrechte mehrteilige, aufeinander aufbauende Projekte und können über fünf Jahre besucht werden. Dafür treffen sich die Kinder achtmal im Jahr auf dem Milchviehbetrieb, um je nach Jahreszeit von Ackerkulturen bis zu Nutztieren alles Wichtige zu erfahren. Das gibt der Bäuerin einen festen, auch finanziell gut planbaren Rahmen, in dem sie: „unseren Kunden von morgen nachhaltige Landwirtschaft und die Produktion von hochwertigen Nahrungsmitteln vermitteln kann“.
 
Stolz ist Judith Pfefferli, dass ihre Kurse ohne Werbung, allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda, ausgebucht sind und sie am Aufbau SchuB (Schule auf dem Bauernhof) im Kanton maßgebend beteiligt ist. Ihr Wissen gibt sie auch in Lehrerweiterbildungskursen und landwirtschaftlichen  Fachtagungen als Referentin weiter „Das wichtigste ist“, betont sie, „dass ich selbstständig arbeiten kann und damit die Existenz des 40 ha großen landwirtschaftlichen Betriebs mit 70 Kühen plus Nachzucht sichere.“ Dafür  nützt sie Hilfsmittel aus Betrieb, Garten, einem zum Thema passenden Zvieri (schweizerisch für Zwischenmahlzeit) und Geschichten, wie die von Konrad Kupferhals, der lernt, seine Einzigartigkeit zu schätzen und, dass es ziemlich egal ist, wie man aussieht, wenn Persönlichkeit und Wesen stimmen.
 
Text: Ursula Schlaghecken; Fotos: Ledényi


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