Judith Pfefferli, Wangen

 
Brot zum Spiele

„Wissen wo es herkommt“ – die Industrie hat diesen Spruch längst für sich vereinnahmt. Wo Lebensmittel herkommen ist vielen Verbrauchern heute ein wichtiges Anliegen. Doch immer weniger haben heute einen direkten Zugang dazu. Im Gegenteil: Die Kluft zwischen Erzeugern und Konsumenten wird immer größer. Judith Pfefferli aus Wangen bei Olten (Schweiz) greift dieses Dilemma auf und schlägt eine Brücke. Sie ist überzeugt, dass sich ein Bewusstsein für Lebensmittel und ihren Wert umso eher bildet, je früher jemand damit vertraut wird, wie Milch, Fleisch oder Getreide entstehen.
Die Bäuerin mit einer Grundausbildung als Pädagogin bietet Kurse für Kinder verschiedener Altersgruppen an, sowohl auf dem heimischen Milchviehbetrieb für Private als auch Schulen. Schon lange im Voraus sind ihre Angebote ausgebucht. Der Betriebszweig „Lernort Bauernhof“ steuert so mittlerweile auch einen wesentlichen Teil zum Einkommen des Hofs bei. Ihre langjährige Erfahrung mit der Bauernhofspielgruppe und Kursen für Kinder aller Altersklassen ist nicht nur regional gefragt. Ihr Konzept stellt sie mittlerweile auf Tagungen im gesamten deutschsprachigen Raum vor. Zudem gab es bereits Anfragen, es in einem Franchise-System auf andere Höfe zu übertragen.
Ihr Rezept: Egal mit welchen Erwartungen die Kinder zu ihr auf den Hof kommen, es ist für alle etwas dabei, sodass es keinem langweilig wird: Es wird gelernt, es wird geübt, es wird gebacken, es wird probiert, es wird gestaunt. So erfahren ihre kleinen Kunden spielerisch, woher Lebensmittel kommen und was man mit ihnen macht. Und das taugt auch den Eltern. Für viele gehört ein Besuch auf dem Bauernhof heute zum guten Ton, wie Judith Pfefferli bestätigt.
Impulse für ihre Angebote, die sie ständig weiterentwickelt, kommen von vielen Seiten. Denn Judith Pfefferli ist ein Mensch, der sich der vielen Verbindungen bewusst, die sich aus ihren zahlreichen Aktivitäten ergeben: Als Bäuerin, als im Mitbürgerin der Gemeinde Wangen und dem hiesigen Obst- und Gartenbauverein, als Fachlehrerin an der örtliche Schule, als Kursleiterin in der Lehrerweiterbildung sowie verschiedenen Initiativen zur Förderung von Kernkompetenzen im Bereich Lebensmittel und Ernährung. Aus allen Beziehungen lassen sich Ideen schöpfen, ist sie überzeugt.
Was sich heute als fein ausgeklügeltes Konzept aus verschiedenen Modulen für unterschiedliche Altersgruppen, mit wechselnden und den Jahreszeiten angepassten Inhalten präsentiert, hat zunächst klein angefangen. 2005 war der Hof ein Pilotbetrieb des Projekts Schub (Schule auf dem Bauernhof). Nach und nach kamen neue Ideen hinzu, bis schließlich im Zuge der Aussiedlung des Betriebs aus dem Ortskern die Entscheidung fiel, das bis dahin mehr oder weniger ehrenamtliche Engagement zu professionalisieren. So hat Judith Pfefferli eigens einen Klassenzimmer großen Raum eingerichtet, der neben einer großen, kindgerechten Bibliothek auch mit unzähligem Spiel- und Anschauungsmaterial ausgestattet ist, um praktisches Erleben und Mitmachen auf dem Hof mit pädagogischer Methodik verknüpfen zu können.
Dass Judith Pfefferli für ihre Angebote brennt und ihre Familie mit begeistert, liegt nicht nur daran, dass sich ihr Betriebszweig auch wirtschaftlich trägt. Es liegt auch daran, dass ihr Kinder ebenso wie Landwirtschaft eine Herzensangelegenheit sind. Sie hat eine Botschaft. Und die bringt sie mit ihrem Angebot zum Ausdruck: Authentisch, sympathisch, engagiert.

 
Text: dlz-Redaktion; Bilder: Philipp Ledényi  



BILDERGALERIE Judith Pfefferli
4 Bilder