Karl Brehm, Lonnerstadt

Schlüssel wieder rumgedreht

Mit Zahlen und Kalkulationen kennt sich Karl Brehm nicht erst aus, seit er 2000 den Hof übernommen hat. Dass er schon zuvor, in seiner beruflichen Vergangenheit als Architekt, mit spitzem Stift Bauvorhaben berechnen musste, kam ihm damals zugute. Denn der Betrieb in Lonnerstadt galt schon als auslaufender Betrieb. Vater Brehm hatte nicht mehr damit gerechnet, dass der kleine Hof einmal weiter geführt werden würde und in den letzten Jahren als Betriebsleiter kaum mehr investiert. Entsprechend hoch war der Nachholbedarf, als Karl Brehm die Geschicke übernommen hatte. Dass es einiges aufzuholen und zu investieren galt, schreckte ihn nicht ab. Denn eine Triebfeder gab es, die viele andere Vorbehalte in den Hintergrund drängte: „Die Arbeit als Architekt hat viel Spaß gemacht, aber auch unheimlich viel Zeit in Anspruch genommen; Zeit, die ich nicht mit meiner Familie, meinen Kindern verbringen konnte.“

Anfänglich noch als freiberuflicher Architekt tätig, durchlief Brehm neben der Arbeit am Hof außerdem noch die landwirtschaftliche Ausbildung bis zur Meisterprüfung mit Auszeichnung. Eine Mehrfachbelastung, die er gerne auf sich genommen hat, weil sie ihn ein Stück seinem Ziel näher gebracht hat: Vom Betrieb zu leben und ihn so auszubauen, dass er Perspektiven bietet. Leben kann er heute davon und sogar so viel erwirtschaften, dass genügend Mittel für weitere Investitionen übrig bleiben. Etwa für den Kauf zusätzlicher landwirtschaftlicher Flächen oder für eine Teilaussiedlung, die er im kommenden Jahr angehen will, um den Beschränkungen der beengten Hofstelle bei der Bewirtschaftung zu entgehen, zum Beispiel beim Rangieren mit größeren Maschinen. Möglich macht das unter anderem, dass er auf mehrere Standbeine setzt, die sich „alle selbst rechnen müssen“, wie er betont: die Erzeugung von Rindfleisch, den Anbau von Getreide und Kartoffeln sowie Meerrettich.

Beim Meerrettichanbau gehört er mittlerweile sogar zu den größten Anbauern im gesamten Bundesgebiet. Vorgezeichnet war dies nicht. Zwar hatte schon sein Vater diese Frucht gepflanzt, den Anbau bis zur Betriebsübergabe allerdings auf gerade einmal 100 Pflanzen am Ende zurückgefahren. Der 47jährige hat ihn vertausendfacht. Heute ist er Herr über jährlich 100.000 Meerrettich-Pflanzen, die er vorwiegend an einen regionalen Abnehmer verkauft. Damit schwimmt Brehm gegen einen Trend, denn der Meerrettichanbau ist sehr zeitaufwendig. Mit normalen Verfahren braucht es weit über tausend Arbeitsstunden für Pflanzung, Pflege und Ernte eines Hektars - im Bio-Anbau, wie ihn Brehm betreibt, sogar noch deutlich mehr. Lange hat Brehm getüftelt, um Geräte so umzubauen, dass nun ein Großteil der Arbeit maschinell erledigt wird. Trotzdem nach wie vor noch vieles von Hand erledigt werden muss, wobei ihn seit Jahren die gleichen polnischen Helfer unterstützen, braucht er nun nur noch rund 700 Stunden und spart damit viel Zeit, die auch seiner Familie zugute kommt.

Text: Detlef Steinert, dlz; Fotos: Ledényi
 


BILDERGALERIE Karl Brehm
4 Bilder