Klaus Münchhoff, Derenburg

Der Präzisions-Manager
Klaus Münchhoff ist Jurist und hat eine Leidenschaft für Ackerbau. Nach der Wende konnte er den ehemaligen Familienbesitz Gut Derenburg wieder übernehmen. Fortan bestimmte nicht mehr die Verwaltung fremder Immobilien sein Leben, sondern die Bestellung seiner eigenen Felder. Im Laufe der Jahre fragte er sich immer mehr, woran es liegt, dass die Erträge auf ein und demselben Acker so unterschiedlich ausfallen und wie er darauf reagieren sollte. Hinzu kam sein Bestreben, Ökonomie und Ökologie, zwei wesentliche Faktoren des Nachhaltigkeitsgedanken, besser in Einklang zu bringen.
In der Teilflächen spezifischen Bewirtschaftung fand Münchhoff die Lösung, lange bevor Digitalisierung und Daten sammeln im großen Stil als Schlagworte bei breiten Bevölkerungsteilen bekannt wurden. Was etwas ungelenk formuliert als Precision Farming (übersetzt: Präzisionslandwirtschaft) daher kommt, ist für Münchhoff heute die Richtschnur für die Bewirtschaftung seines Betriebes. Er kombiniert die Daten von Satelliten mit denen, welche die Mähdrescher während der Ernte erfassen und kann so für kleinste Parzellen seiner großen Schläge herausfinden, wieviel auf kleinsten Flächenteilen wächst. Damit lässt er es aber nicht bewenden. Gemeinsam mit den Erkenntnissen aus regelmäßigen Bodenanalysen sind diese Erkenntnisse die Grundlage dafür, für jede Teilfläche exakt die Menge an Dünger zu bemessen, die nötig ist. Logisch, dass Münchhoff auch hierfür wieder die Satellitensteuerung nutzt, um genau zu wissen, auf welcher Fläche sich das Düngergespann gerade befindet, und dort die vorgesehene Menge punktgenau zu platzieren. Das ist gut für die Umwelt und gut für den Geldbeutel, weil je nach Bodenbeschaffenheit und Erntemenge dort nur so viel Dünger ausgebracht wird, wie die kommende Kultur braucht.
Was beim Düngen bis auf wenige Quadratmeter genau funktioniert, nutzt Münchhoff außerdem beim Pflanzenschutz. Auch hier ist nicht das Ziel, auf einer Fläche an jedem Fleck die gleiche Wirkstoffmenge auszubringen, sondern überall nur so viel wie nötig ist, um einen aktuellen Befall mit Pflanzenkrankheiten oder tierischen Schädlingen einzudämmen. Die Daten, die er dabei im Laufe des Jahres bei der Bewirtschaftung sammelt, geben Münchhoff zudem Auskunft darüber, wie sich beispielsweise Witterungsbedingungen auf die Wirkung von Pflanzenschutz, Düngung oder Erträge auswirken. So sorgt der 63-jährige dafür, dass sein Hof nicht nur sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugt, sondern dass die Produktion in höchstem Maße den Anforderungen an Umweltverträglichkeit entspricht. Was ihm als Jurist sicher ein willkommener Nebeneffekt ist: Durch die Speicherung all dieser Daten kann er jederzeit Behörden und anderen gegenüber den Beweis antreten, dass auf seinem Hof alles richtig läuft.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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