Landwirt des Jahres 2017 - Georg Mayerhofer

 
Strip-till und Gülleverschlauchung: Der Ackerbauer kombiniert beides in einem Gerät.
Landwirt des Jahres 2017 und Sieger in der Kategorie "Ackerbauer" Georg Mayerhofer aus Ortenburg

Georg Mayerhofer ist Ackerbauer mit Weitblick. Ein fruchtbarer Boden liegt ihm am Herzen. Er ent­wickelt Konzepte für Erosionsschutz und Vielfalt und nutzt seinen Blog für direkte Öffentlichkeitsarbeit.
 
Ein 15-Tonnen-Güllefass oder gar ein schwerer Selbstfahrer? „Kommen bei uns nicht aufs Feld“, sagt Georg Mayerhofer. Besonders im Frühjahr versucht er, auf tonnenschweren Bodendruck zu verzichten. „Die Gefahr von Verdichtungen ist einfach zu groß.“ Der Vater zweier Söhne bewirtschaftet rund 245 ha, betreibt mit seinem Vater und Partnern eine 600 kW-Biogasanlage und mästet 1.450 Schweine.
Seine Region hatte in den vergangenen Jahren mehrfach heftigen Starkregen zu verzeichnen. „Die Unwetter haben beträchtliche Erosionsschäden nach sich gezogen, die so nicht mehr hinnehmbar sind“, sagt der 36-Jährige. „Wir werden auch in Zukunft nicht daran vorbeikommen, beim Erosionsschutz noch besser zu werden.“ Der Maisanbauer entwickelt bodenschonende Konzepte zielstrebig weiter. Rund 60 bis 70 Prozent seiner Flächen sind hängig und im Erosionskataster eingestuft. Über Winter ist der Boden bei ihm bedeckt, Zwischenfrüchte nach Getreide sind obligatorisch.  Und seine Böden bedeckt er ganzjährig mit Ernteresten oder einer Pflanzendecke.
Für einen verbesserten Erosions- und Bodenschutz hat Georg Mayerhofer im stark vom Maisanbau dominierten Landkreis Passau dieses Jahr erstmals eine selbst umgebaute Konstruktion eingesetzt: Die vorhandene Gülleverschlauchung, die der Praktiker mit einem Berufskollegen schon länger einsetzt, hat er mit einem Kuhn-Striger für Gülle-Strip-till kompatibel gemacht. „Für die Kombination beider Verfahren reichen ein paar Anschlüsse und als Bausatz ein Slootsmid-Verteiler sowie eine stationäre Perwolf-Pumpe.“ So bringt er Gärreste vor Mais bodenschonend aus. Auf diese Weise nutzt er einerseits den Vorteil vom Strip-till, den Boden möglichst wenig zu bearbeiten und gleichzeitig die Gärreste unter der künftigen Maisreihe einzuarbeiten. Andererseits sorgen die 1.000 m langen Schläuche auf zwei Haspeln dafür, keine schweren Fässer auf dem Feld einsetzen zu müssen. „Und bei den Kosten konnten wir auch noch sparen. Ein Schleppschlauch kostet rund 1,50 Euro/m3, mit Verschlauchung sind es nur 0,70 Euro.“ Kommende Saison will er seine Erfindung auch auf Getreidestoppeln testen.
Mayerhofer setzt auf vielseitige Fruchtfolgen. Er baut neben Silo- und Körnermais auch Weizen, Gerste und Triticale an. Im letzten Jahr sind Winterraps und aktuell Zuckerrüben dazu gekommen. Diese Vielfalt schont den Boden und vermeidet Erosion. „Mit der umgestellten Fruchtfolge funktioniert das ganz gut.“

Georg Mayerhofer kooperiert im bayernweiten „Netzwerk Demonstrationsbetriebe“ für Gewässer-, Boden- und Klimaschutz. Als Musterbetrieb hat er hier allerhand vorzuweisen. Blühstreifen etwa sind für ihn an fast allen Maisflächen selbstverständlich. Neben Brachen tragen seine Greeningflächen meist Kleemischungen oder Leguminosen. An Oberflächengewässern hat der Landwirt, der leidenschaftlicher Jäger und seit Neuestem auch Imker ist, KULAP-Erosionsschutzstreifen angelegt. 
Georg Mayerhofer ist stets für innovative Lösungen offen und setzt Neuerungen, die über die gesetzlichen Forderungen hinausgehen, vorausschauend um. Mit Erfolg. Davon zeugen die meist überdurchschnittlichen Erträge bei integriertem Pflanzenschutz mit gesunden Sorten und bedarfsgerechter Düngung. „Es ist zwar nicht immer ganz einfach, die perfekte Balance zwischen Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft zu finden. Wir arbeiten aber ständig daran.“
Der kreative Betriebsleiter aus dem niederbayerischen Ortenburg hat sich vielseitig aufgestellt. Dafür investiert er kontinuierlich in den Hof. Angefangen vom schmucken Wohnhaus-Neubau bis zur neuen 1.000-t-Lager- und Trocknungsanlage. „Wir haben unser Betriebskonzept auf mehr Autarkie ausgelegt, indem wir das Lager aufgewertet und in die Trocknungsanlage investiert haben.“
Sein ganzheitliches Konzept überzeugt: „Unser Ackerbau füttert die Biogasanlage und die Schweine mit Futter. Die Biogasanlage wärmt die Ställe und die Wohnräume. Die Gärreste versorgen unsere Äcker mit den nötigen Nährstoffen. Das A und O sind ein kontinuierlicher Nährstoffstrom und eine umweltgerechte Düngung.“
Mayerhofers Leidenschaft ist die Aufklärung und der Austausch mit den Verbrauchern. Unter www.mayerhofer-agrar.com erklärt er informativ und gut verständlich, wie moderne Landwirtschaft heutzutage funktioniert. Sein Credo: „Natur will Vielfalt.“
Und der kreative Ackerbauer hat weitere Ziele. So will er die Schweinemast auf das Tierwohllabel umstellen, weiter an der Fruchtfolge arbeiten und den Anbau mit mehr Strip-till noch kostensparender machen. Die Biogasanlage will er zukunftsfähig machen.Fazit: Der Hof mit vier Generationen ist für die Zukunft bestens gerüstet und Georg Mayerhofer hat auf die unterschiedlichen Anforderungen von Gesellschaft, Wirtschaftlichkeit und Umwelt überzeugende Antworten.

Juryurteil: „Georg Mayerhofer hat keine Scheu, neue Verfahren in der Landwirtschaft anzuwenden. Im Gegenteil, er versucht sie noch zu optimieren.“
Jury für den Gesamtsieger: Robert Bielesch, Michael Dörr, Markus Pahlke, Josef Reiter, Dr. Uwe Steffin

Über den Sieger
Georg Mayerhofer hat pfiffige Ideen und setzt auf vielfältige Teams: Das zeigt sich im Ackerbau nicht nur an der Organisation der Agrar GbR mit seinem Vater. Oder bei Biogas an den 75-/25-Anteilen in der Mayerhofer & Nagl GbR. Oder beim Körnermaistrocknen in der Kooperation mit den Genossen vor Ort. Auch arbeitet er bei der Holzland GbR mit rund 70 Kollegen zusammen in einer Maschinengemeinschaft. Teamgeist zeigt er auch im Anbau- und Abfuhrverband der Zuckerfabrik. Oder bei der Getreideernte mit Lohnunternehmer und Maschinenring.
Der Betriebsleiter ist kreativ und vielseitig aufgestellt. Neben Ackerbau, Schweinemast und Biogas nutzt er die Abgaswärme nicht nur für die Wohnhäuser, sondern auch zur Trocknung von Getreide und Körnermais, Bauholz und Hackschnitzeln. Überzeugend ist sein Blog im Netz. Seine Leidenschaften Jagen und Imkern helfen, eher an den Schutz der Wildtiere oder der Honigbienen zu denken, wenn er auf die Feldspritze steigt. Der Ackerbauer engagiert sich auch ehrenamtlich in Feuerwehr, Bauerverband oder Schützenverein.