Markus Wagner, Neufahrn

Vom Straßengrün zum grünen Strom
Wie kann ich meine Biogasanlage optimieren und gleichzeitig weniger Mais als Energiepflanzen anbauen? Diese Frage stellte sich Markus Wagner aus Neufahrn. Dort bewirtschaftet er mit seiner Frau Julia und den Eltern einen rund 100 ha großen Betrieb mit Bullenmast. Seit 2011 betreibt die Familie eine 200 kW Biogasanlage mit einem Fernwärmenetz. Mittlerweile werden 32 Haushalte mit Wärme versorgt und die Anlage wurde auf eine Leistung von 400 kW erweitert. So werden fast 18.000 l Heizöl eingespart.
Die Idee zur weiteren Optimierung der Anlage kam ihm bei einer Fahrt über die Wirtschaftswege. Immer wieder werden die Bankette gemulcht. Doch was geschieht mit dem Gras? Nichts! Es verrottet, setzt Nähstoffe frei und sorgt so für verstärktes Wachstum der Grünstreifen entlang der Straße, die dann umso schneller wieder gemulcht werden müssen. Warum das Gras nicht mähen und aufsammeln, wie es an der Autobahn oder der Schnellstraße geschieht? Das Straßenbegleitgrün an den Feldwegen ist in der Regel sehr sauber und enthält kaum Müll - anders als an den Hauptstraßen! Das Gras kann also gut in der Biogasanlage eingesetzt werden. Vorteil: Der Randstreifen wächst langsamer, die Kosten für die Entsorgung/Kompostierung fallen weg, wo das Gras doch abgefahren wird. Das Mähgut gibt es fast zum Nulltarif, da die Anlieger die Wege sowieso pflegen, sprich mähen oder mulchen müssen. Allein die Kosten für das Aufsammeln fallen an.
Nun läge es nahe einfach die Technik der Kommune zu übernehmen und das Gras zu mähen, aufzusammeln und in der Biogasanlage zu verwerten. Allerdings war diese Technik, auch weil sie autobahntauglich ist, zu teuer. Dies brachte den experimentierfreudigen Energielandwirt dazu, die entsprechende Mähtechnik für seinen Betrieb selbst zu suchen, zu optimieren bzw. entsprechend umzubauen. So wurde mit Mähern, Absaugtechnik und Ladewagen experimentiert. Zurzeit ist an einem Fuß-Trac (Nachfolger des Mali-Trac) ein Frontmäher, auf dem Aufbauraum ein Mulag Auslegemäher mit Absaugung und ein Schuitemaker Ladewagen im Einsatz. Die Erfahrungen bislang sind positiv. Zurzeit fallen rund 5 bis 6 Fuhren am Tag mit rund 20 bis 25 Tonnen Gras an. Das Gras kommt von den Feldwegen im Umkreis von rund 10 km. Maximal muss 15 km weit gefahren werden. Zwei bis drei Schnitte pro Jahr fallen an und sorgen so für günstiges Futter für die Biogasanlage. Positive Begleiterscheinung: Die Feldwege sind sauber und gepflegt, auch weil das Gras abgefahren wird. Das Gras ist fast frei von Fremdstoffen. Das Einbringen in die Biogasanlage ist etwas aufwändiger, aber problemlos. Mais wird durch Gras ersetzt und dieses Gras beansprucht keine Ackerflächen. Und am Ende gibt es grünen Strom und Wärme aus Straßenbegleitgrün.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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