Gewinner: Mathias Klöffel, Großbardorf

Jurybegründung
Erfolgreiche Umsetzung von Projekten zur Erzeugung erneuerbarer Energie unter Einbindung andere Landwirte, von Kommunen und Mitbürgern. Der Kandidat trägt dadurch zu hoher Akzeptanz der Erneuerbaren Energien vor Ort bei. Die Projekte tragen Umweltschutz und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt Rechnung.
 
Schweinebauer und Genosse
Mathias Klöffel hat den genossenschaftlichen Gedanken wieder an die Basis getragen. Mit Energie- und Ackerbauprojekten hat er mehrere Genossenschaften zum Wohle aller Landwirte angestoßen. Das Motto von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen: „Was ich nicht allein vermag, das vermag ich mit Vielen“, ist die Triebfeder von Mathias Klöffel. Was das bedeutet, zeigt sich an der ersten Gemeinschafts-Biogasanlage in Bad Königshofen. Der Kurdirektor träumte von einem knapp 1.000 m² großen Heilwassersee, der das ganze Jahr eine Wassertemperatur von 30 °C haben sollte. Diese Wärme kann die Landwirtschaft liefern, dachte der Schweinemäster aus Großbardorf. Mathias Klöffel träumte von einer Gemeinschaftsbiogasanlage mit 625 kWel. um die Wärme zu erzeugen. Alle Bauern sollten mitmachen und von der Anlage profitieren, ohne Neid aufeinander und ohne einander die Pachtflächen streitig zu machen. Auch externe Investoren sollten draußen bleiben. Beide Träume wurden Wirklichkeit und heute arbeiten 35 Landwirte zusammen, liefern das Biogassubstrat und erwirtschaften ein Vielfaches dessen, als wenn sie nur das Substrat liefern würden.
 
Auf Initiative von Mathias Klöffel und seinen Mitstreitern wurde im Jahr 2006 die Agrokraft GmbH gegründet in welcher er auch die Geschäftsführung innehat. Die Agrokraft hat es sich zur Aufgabe gemacht, eigenständige Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien, der Dorf- und Regionalentwicklung und natürlich der erneuerbaren Energien zu initiieren und den Menschen Vorort umzusetzen. So wurden zwischenzeitlich mit Unterstützung der Agrokraft 7 landwirtschaftliche Biogasgemeinschaften und über 40 (Orts-) Energiegenossenschaften gegründet. In einer ersten Raiffeisen Dorf leben eG wurde 2013 durch die Ortsbevölkerung der Gemeinde Unsleben eine Gastwirtschaft restauriert und wieder in Betrieb genommen. Auch hier zeigte sich die Agrokraft für die konzeptionelle und unternehmensstrukturelle Entwicklung verantwortlich. Ziel ist es auch zukünftig gute Ideen für die Gesamtheit des ländlichen Raumes zu entwickeln - und mit den Menschen in lokalen, dezentralen Strukturen umzusetzen
 
Mittlerweile ist die Anlage auf 1,2 MWel und ein Nahwärmenetz erweitert worden. Was einmal klappt, klappt auch ein weiteres Mal: Mit der Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Energie eG Großbardorf konnte ein weiteres Nahwärmekonzept mit einer Biogasanlage realisiert werden. 120 Wärmeabnehmer hängen an der 6 km langen Wärmeleitung, die jetzt von der Abwärme der Biogasanlage versorgt werden, statt von einer Hackschnitzelheizung. Das Modell der Genossenschaft ist so erfolgreich, dass bis heute drei PV-Anlagen (960.000 € Investition) durch nachrangige Darlehen der Genossenschaftsmitglieder in Großbardorf gebaut wurden. Ein Konzept, das in der Friedich-Wilhelm Raiffeisen Ortsenergie eG mündet: 150 Genossen mit 22 Fotovoltaikprojekten und mit einer Gesamtleistung von 2 MW. Und ein Genosse mischt fast immer mit: Mathias Klöffel.
 
Und die Ideen gehen noch nicht aus: neben einer gemeinschaftlichen Getreide- und Düngerlagerhalle gibt es Güllegemeinschaften, Mähdruschgemeinschaften und Haselnüsse sind das nächste vielversprechende Projekt der Genossen.
 
Text: Bernd Feuerborn, dlz; Fotos: Ledényi


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