Matthias Heckenberger, Biberach

 
Gras geben

Von der Straße aus ist der Hof Heckenberger in Biberach-Mettenberg nicht als Milchviehbetrieb zu erkennen. „Platz haben wir hier nicht mehr“, sagt Matthias Heckenberger, Finalist in der Kategorie Junglandwirt des Ceres-Awards 2015. „Deshalb möchte ich in Zukunft an einem anderen Standort einen neuen Stall bauen.“
Der 24-jährige Landwirtschaftsmeister bewirtschaftet zusammen mit seinen Eltern Karl und Maria einen Ackerbau- und Milchviehbetrieb. Er ist dabei für die 60köpfige Milchviehherde verantwortlich. „Wir halten Holstein- und Braunviehkühe“, berichtet der Baden-Württemberger. „Das Braunvieh bringt Inhaltsstoffe und die Holsteins Milchmenge.“
Diese Milchmenge konnte der Landwirt in den vergangenen 5 Jahren, seitdem er die Verantwortung für die Herde übernahm, um 2.800 kg auf durchschnittlich 9.400 kg steigern. Erreicht wurde dies unter anderem durch das Verbessern des Kuhkomforts.
Den größten Leistungszuwachs erreichte der Junglandwirt aber mit der Verbesserung des Dauergrünlands. Den Ausschlag für die veränderte Bewirtschaftung gab die Projektarbeit im Rahmen seiner Meisterausbildung im Jahr 2013. „Ich habe damals auf einer Fläche neun Versuchsparzellen angelegt und unterschiedlichste Varianten der Dauergrünlandbewirtschaftung getestet“, erklärt der Landwirt. „Die Varianten reichten vom Auskämen mit Güttler-Striegel, Abfahren der gemeinen Rispe bis hin zu unterschiedlichen Methoden der Saatgutausbringung.“
Für sich und seinen Betrieb hat er dabei folgende Variante als optimale Bearbeitungsstrategie ermittelt:
direkt nach dem Säen einer Mischung aus 45 Prozent spätem Deutschen Weidelgras, 40 Prozent frühem Deutschen Weidelgras, 10 Prozent Lieschgras und 5 Prozent Weißklee, wird mit 0,9 l/ha Glyphosat abgespritzt, 3-maliges Auskämen mit Güttler-Striegel, Abfahren der gemeinen Rispe und Saat von 30 kg pro Hektar mit Schneckenkornstreuer und Güttlerwalze.
„Hierbei erfolgt die Übersaat nach dem ersten Schnitt“, erklärt Matthias Heckenberger. „Die Erträge beliefen sich im Jahr 2013 auf 99,8 dt Trockenmasse je Hektar und im letzten Jahr auf 222,2 dt.“ Der Arbeitszeitbedarf liegt mit 3 Stunden pro Hektar genauso im Rahmen wie die Gesamtkosten von 398,80 Euro je Hektar. Inzwischen bewirtschaften Heckenbergers 5 ha nach diesem Prinzip, weitere Flächen werden folgen, denn im Gegensatz zur Kontrollfläche erhöhte sich der Ertrag um 20 Prozent.
Die Testparzellen bestehen immer noch und werden nach wie vor von Matthias Heckenberger und seinem Vater Karl betrieben. Eine Schautafel erklärt interessierten Landwirten und Passanten was auf der Fläche getestet wird. „Ich will meine Ergebnisse meinen Berufskollegen zur Verfügung stellen, denn auch sie können davon profitieren“, ist er überzeugt. Inzwischen waren mehrere Hundert Landwirte, Schüler und Studenten auf dem Betrieb und haben sich den Versuch erklären und zeigen lassen. Aber nicht nur Landwirte interessieren sich für das Versuchsfeld. „Die Fläche liegt direkt an einem Radweg“, sagt Matthias Heckenberger. „Passanten halten deshalb oft an und wundern sich über die Parzellen. Deshalb haben wir Schautafeln errichtet, die auch für Nichtlandwirte verständlich sind und erklären, dass Grünland nicht gleich Grünland ist.“ Die Resonanz ist durchweg positiv: „Die Menschen möchten wissen, was die Landwirtschaft macht“, ist er überzeugt. „Und ich helfe gerne dabei, ihnen zu zeigen was und wie wir etwas tun.“

 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi  



BILDERGALERIE Matthias Heckenberger
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