Michael Reber, Gailenkirchen

Der Blattsaft-Tester
Jeder kennt das von seinem Hausarzt: Bevor er mit der Behandlung loslegt, ist oft erst einmal ein Picks nötig; es fließt Blut, das anschließend ein Labor analysiert, damit der Arzt anhand der Blutwerte sein weiteres Vorgehen festlegen kann. Michael Reber aus Gailenkirchen ist Landwirt. Und er ist so etwas wie ein Pflanzenarzt. Auch er zapft schon mal den Lebenssaft seiner Pflanzen an, um herauszufinden, wie er ihnen helfen kann. Dabei hat Reber keine Berührungspunkte zu alternativen Methoden. Denn als konventionell wirtschaftender Bauer geht es ihm nicht darum, Dogmen zu verteidigen, sondern auf seinem Betrieb Pflanzen so umweltverträglich wie nur möglich zu erzeugen. Da dürfen auch mal neue Wege ausprobiert werden; schließlich entwickelt sich die Landwirtschaft wie die Medizin ständig fort.
So setzt er zur Vitalisierung seiner Bestände durchaus gerne auch mal Präparate ein, die im Bioanbau zugelassen sind. Dazu zählen etwa so genannter Flüssigkompost oder selbst gemachter Heu-Tee, der als Auszug mit Milchsäurebakterien und Huminsäuren sowie Pflanzenkohle in die Gülle kommt. Neben solchen „homöopathischen Mitteln“ kommen bei ihm allerdings genauso Mittel aus dem „konventionellen Arzneimittelschrank“ zum Einsatz. Denn wie jeder Arzt fühlt er sich verantwortlich zum Nutzen seiner Patienten abzuwägen, welche Heilmethoden am besten geeignet sind. Dabei spielt es für ihn keine Rolle, ob es um Kulturen für die Lebensmittelerzeugung, wie etwa Weizen, Gerste oder Roggen geht, oder um Kulturen, die er über die hofeigene Biogasanlage zu Energie veredelt. Gut 138 Hektar Ackerland bewirtschaftet der 44-jährige Agraringenieur nach diesen Prinzipien.
Eine weitere Entwicklung auf dem Hof ist die Umstellung auf das System „immergrün“. Das bedeutet, dass er über Zwischenfrüchte, das sind Kulturen, die zwischen zwei Hauptfrüchten angebaut werden, und Untersaaten, die gemeinsam mit einer Hauptkultur auf dem Feld stehen, erreicht, dass seine Äcker das ganze Jahr über grün sind. Das tut dem Bodenleben gut, vermeidet Bodenabtrag durch Regen oder Wind und die Fauna freut es, weil Vögel und anderes Getier immer Deckung finden.
Apropos Deckung: Michael Reber ist es ein großes Anliegen, den Mitbürgern Landwirtschaft offen und ehrlich nahe zu bringen. Dafür betreibt er zum Beispiel die Internetseite innovativelandwirtschaft.de, auf der er darüber berichtet, was auf seinem Hof gerade passiert. Und auch bei Facebook kann man seinen Arbeitsalltag mit verschiedenen Videos mitverfolgen. Es lohnt sich reinzuklicken, denn Reber hat viel zu berichten, was Vorbehalte, die man manchmal als Nicht-Landwirt hat, zurecht rückt, aber auch vieles, worüber man staunen kann, etwa, dass Bauern wie Ärzte ihre Patienten erst einmal eingehend untersuchen, bevor sie mit der Therapie beginnen.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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