Philine DiekmannSteimbke

 
Die junge Wilde

Philine Diekmann ist nach ihrem Studium in den elterlichen Familienbetrieb eingestiegen. Mit eigenen Ideen, viel Ehrgeiz und Leidenschaft hat sie die Schweinehaltung auf den Kopf gestellt und in ein noch erfolgreicheres Fahrwasser geführt.
Sie  hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Auf dem elterlichen Hof mit Schweinen aufgewachsen – „mein Sandkasten war die Ferkelbucht“ – ist Philine Diekmann heute für die Schweinehaltung des noch vom Vater geführten Betriebs im niedersächsischen Steimbke (Landkreis Nienburg) verantwortlich. Dazu gehören 200 Sauen im geschlossenen System mit 1.350 Mastplätzen.
Bevor es 2012 soweit war, besuchte die designierte Hofnachfolgerin das Fachgymnasium mit dem Schwerpunkt Agrarwirtschaft und absolvierte anschließend eine zweijährige landwirtschaftliche Ausbildung, davon ein Jahr bei einem erfolgreichen Jungsauenvermehrer. Es folgte schließlich ein praxisbezogenes Studium an der Fachhochschule Osnabrück.
Bereits während des Studiums hat Philine Diekmann an den Wochenenden und in den Semesterferien zu Hause gearbeitet und in dieser Zeit wichtige Zukunftsentscheidungen für den Betrieb getroffen. Die entscheidendste war ihr Entschluss, den Betrieb der Eltern weiter zu führen und die Sauenhaltung, deren Fortbestand auf der Kippe stand, als Standbein zu erhalten.
Dazu war es allerdings notwendig, die vorhandenen Ställe umzubauen sowie einen neuen Abferkelstall zu errichten, da die Haltung in den Altgebäuden nicht mehr gesetzeskonform war. Die Modernisierung der Sauenhaltung erfolgte nach den Vorstellungen der jungen Landwirtin, die ihre Ideen mit viel Willensstärke und Überzeugungskraft im Familienrat durchsetzen konnte.
Dazu gehört insbesondere die Gestaltung der neuen Abferkelbuchten, womit sich Philine Diekmann auch in ihrer Bachelorarbeit (Abschluss mit Note 1,0) beschäftigt hat. Die nach ihren Vorstellungen konstruierten Buchten bieten sowohl der Sau als auch den Ferkeln optimale Bedingungen. Dazu zählen unter anderem eine ausgeklügelte Fußbodengestaltung, die das Verletzungsrisiko für die Tiere minimiert und das Lüftungssystem mit Erdwärmetauscher und Nasenlüftung der Sauen von unten.
Mit dem Neu- und Umbau der Ställe erfolgte gleichzeitig die Repopulierung der gesamten Sauenherde und der alte Bestand wurde durch 200 hochgesunde Sauen dänischer Herkunft ersetzt. In diesem Zuge wurden die Stallungen, inklusive Güllekeller gründlich gereinigt und desinfiziert. Die Arbeiten, auch beim Bau, wurden zum Großteil in Eigenleistung erbracht, woran die gesamte Familie (Ehemann, Eltern, drei Geschwister) beteiligt war.
Dank der großen Unterstützung und dem entgegengebrachten Vertrauen in die neuen Pläne der Tochter konnte Philine Diekmann die Sauenhaltung ganz nach ihren Vorstellungen weiter entwickeln. Neben dem Neubau des Abferkelstalls wurden nach ihrer Regie das Deckzentrum komplett umgebaut sowie im Wartestall neue Abruffütterungsstationen installiert und ein neuer Sauenplaner angeschafft.
Mit ihrem Einstieg in den elterlichen Betrieb hat die designierte Hofnachfolgerin also die gesamte Schweinehaltung auf den Kopf gestellt, sprich auch das Management grundlegend verändert. In Kombination mit den neuen Abferkelbuchten und dem Wechsel zu einer hochgesunden Genetik – der Bestand ist unter anderem frei von PRRS, Mykoplasmen und APP – ist es Philine Diekmann gelungen, die Leistungen der Sauen um fast zehn Ferkel je Sau und Jahr zu verbessern und zwar von 24 auf über 33 im Wirtschaftsjahr 2013/14. Damit gehört der Betrieb jetzt zu den besten des Beratungsrings.
Das zahlte sich auch betriebswirtschaftlich aus: So lag der Gewinn pro Sau und Jahr bei über 500 Euro, was alle Erwartungen übertraf. Aufgrund des gegenwärtigen Preisverfalls am Schweinemarkt wird solch ein Ergebnis in diesem Jahr zwar Utopie bleiben. Doch die junge Landwirtin ist optimistisch, zumindest eine schwarze Null zu erreichen. Auch in der Schweinemast werden mit Masttagszunahmen von über 900 g, 3,1 Umtrieben und 58 Prozent Magerfleisch sehr gute Ergebnisse erzielt.
Zur Tätigkeit von Philine Diekmann gehört auch die Ausbildung eines Lehrlings, der der frischgebackenen Mutter – Anfang August kam ihre Tochter zur Welt – unter die Arme greifen soll.
Als zusätzlicher Betriebszweig ist geplant, den Hof künftig als Praxis- beziehungsweise Ausbildungsbetrieb für die DEULA Nienburg zu nutzen. Da ein größenmäßiges Wachstum der Schweinehaltung im Betrieb stark begrenzt ist, setzt Philine Diekmann auf „inneres Wachstum“.
Die engagierte Landwirtin scheut auch keine Zeit und Mühe, wenn es darum geht, ihren Betrieb und den Berufsstand generell in der Öffentlichkeit zu vertreten und den Leuten ein reelles Bild von moderner Landwirtschaft zu vermitteln. So wurde vor dem neuen Abferkelstall mit Förderung der I.M.A. eine Besuchergalerie errichtet, von der aus man durch die verglasten Fenster und Türen direkt in den Abferkelstall sehen kann. Auf vier selbst gestalteten und neben den Fenstern angebrachten Plakaten erklärt Philine Diekmann in Wort und Bild, wie moderne Sauenhaltung funktioniert. Sie zeigt den Besuchern dabei eindrucksvoll, wie viel ihr am Wohlergehen ihrer Schweine liegt und dass nur ein gesundes Tier hohe Leistungen erbringen kann, von der dann letztlich auch eine Landwirtsfamilie leben kann.
Für die 28-jährige selbstverständlich ist es, Überzeugungsarbeit zu leisten und Wissen zu transferieren. Dies macht sie auch als Mitglied des Sprecherteams der Jungen ISN. Zudem beteiligt sie sich an weiteren öffentlichkeitswirksamen Projekten, zum Beispiel „Bauernhof sucht Besucher“ oder „Wir geben Landwirtschaft ein Gesicht“ oder „Bauernhöfe statt Bauernopfer“.


Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


BILDERGALERIE Philine Göckeritz
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