Philipp Jans, Kals (Österreich)

Meckern erlaubt
Gemecker, wohin man hört. Im Stall genauso wie auf den Bergwiesen, die Philipp Jans bewirtschaftet. Der 36-jährige Agraringenieur hat sich mit seiner Familie auf dem Figerhof in Lana, Gemeinde Kals am Großglockner einen Traum verwirklicht, einen Traum, den er täglich erlebt und von dem er lebt.
Schon als Schuljunge hat er sich sein Taschengeld zusammen gespart und davon die erste Ziege gekauft. Heute ist er Herr über eine stattliche Herde von 280 Milchziegen zuzüglich Jungtieren und Zuchtböcken. Mit seiner Tierhaltung durchbricht Jans ein für Bergregionen typisches Klischee, wonach Bauer sein nur mit Kühen geht. Im Gegenteil: Er setzt auf Ungewohntes und macht sich dadurch unabhängig von den derzeitigen Unbilden am Milchmarkt, die vielen Bauern zu schaffen machen; und trotzdem ist er ein Sinnbild bäuerlicher Einstellungen. Andere Wege zu beschreiten sieht er als Chance an, Traditionen und Schönheit seiner Heimat pflegen und bewahren zu können.
Dabei war ihm die Perspektive Bauer auf der eigenen Scholle zu werden, nicht in die Wiege gelegt. Die Liebe zur Landwirtschaft entfachte bei dem Sohn eines Bankkaufmanns allerdings bereits im Kindesalter auf dem Hof eines Onkels. Dann absolvierte er die Landwirtschaftsschule, verdingte sich immer wieder als Waldarbeiter oder Senner und ließ sich schließlich von einem Freund überreden zu studieren. Doch dem Hörsaalalltag konnte er wenig abgewinnen, genauso wenig der Aussicht, sein künftiges Berufsleben als Angestellter im Büro zu verbringen. Dazu war und ist sein Drang, selbst zu gestalten, Herausforderungen anzunehmen und nicht locker zu lassen zu groß.
Bauer wollte er sein. Und Ziegen wollte er halten. Doch das schien ohne eigenen Hof nahezu unmöglich. So scheiterte der anfängliche Plan, auf dem Hof des Onkels einen Stall zu errichten. Doch er blieb beharrlich. Schließlich sprang ihm ein Jahr später der Zufall zur Seite. Mit einer kräftigen Dosis Entschlussfreude packte er seine Chance am Schopf und kaufte innerhalb weniger Tage den Figerhof – einem Betrieb just in der Gemeinde, aus der einer seiner Vorfahren Generationen zu vor weggezogen war, um andernorts sein Glück zu finden.
Rückschläge gab es seither durchaus. Doch Durchhaltevermögen, Enthusiasmus für Ziegen und nicht zuletzt der Rückhalt seiner Frau und seiner Eltern, ließen ihn nicht verzagen. Das hat sich ausgezahlt. Im Betrieb wurde kräftig investiert, die Herde nach und nach aufgestockt und mit der Erzeugung von Frischkäse neue Absatzwege erschlossen. So präsentiert sich der Figerhof heute als stolzes Bauernanwesen, das seine Familie ernährt und darüber hinaus Praktikanten und Aushilfen beschäftigt. Auch wenn er mit vielen Ideen seine Ziegenmilch noch besser zu vermarkten, seinen Weg sicher noch weiter gehen wird, Philipp Jans hat sein Ziel erreicht.
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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