Sonja Hörmannskirchner, Mauern

Erlebnis mit Fortsetzung

Es wundert nicht, wenn eine gute Idee viele anregt, es nachzumachen. Es wundert allerdings sehr, dass in einer Zeit, in der Produktnamen teilweise mehr wert sind als das Produkt selbst, sich nicht schon längst jemand den Namen zum Produkt als Marke hat schützen lassen. 380.000 Treffer werden angezeigt, sucht man im weltweiten Netz nach Erlebnisbauernhof. Ganz weit oben der Erlebnisbauernhof Wieser in Enghausen. Klickt man die Seite an, erahnt man schon ein bisschen, was ihn von anderen Angeboten dieser Art abhebt. Doch so richtig rund wird der Eindruck, wenn man Sonja Hörmannskirchner gegenübersteht, die das Erlebnis Bauernhof als eigenen Betriebszweig auf dem Wieserhof in Enghausen etabliert hat. Dabei erging es ihr wohl zunächst wie vielen anderen jungen Frauen, die in einen Hof einheiraten und sich fragen „wo finde ich hier meinen Platz?“ Heute sagt sie selbstbewusst: „Damals waren die Rollen besetzt, die üblicherweise infrage kommen.“ Sonja Hörmannskirchner ist sogar froh darüber, dass zum Beispiel die Melkarbeit nach wie vor die Domäne ihrer Schwiegermutter ist. So kann sie sich, neben Stallarbeit und Agrarbüro, voll ihrem Geschäft widmen: Kindern und Erwachsenen das Geschehen auf einem Bauernhof näher zu bringen.
 
Spielte der Zufall noch eine Rolle, sich auf einen neuen Betriebszweig einzulassen, ging Hörmannskirchner die weitere Entwicklung dafür umso zielstrebiger an. Zunächst versuchte die gelernte Erzieherin mit einer Bekannten, sich in einem Geburtshaus mit frühpädagogischen Angeboten ein freiberufliches Standbein aufzubauen. Doch mit der Geburt von Sohn Anton änderte sich das – auch weil der Aufwand beträchtlich war, jede Woche aufs Neue alles dafür Nötige ins Auto zu packen und ins zehn Kilometer entfernte Moosburg zu fahren. Hörmannskirchner wagte den Versuch und die Teilnehmer waren sofort begeistert dabei, künftig mit ihren Kleinkindern zu ihr auf den Hof zu kommen. Von da an gewann das Unternehmen Erlebnisbauernhof an Dynamik. Stück für Stück baute sie die Angebote aus, erweiterte die Altersgruppe, verwirklichte neue Ideen, bekam Unterstützung von ihrem Mann dabei, entsprechende Räumlichkeiten auf dem Hof herzurichten oder neu zu erstellen. Begleitet wurde das von viel Detailarbeit. Zwar brachte ihr eine vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft initiierte Zusatzausbildung zur Erlebnisbäuerin viel Grundwissen, aber bei etlichen praktischen Dingen musste sie sich selbst behelfen und erst schlau machen. Ob es um Sicherheit am Hof, steuerliche oder Hygienefragen ging, es fehlte an zentralen Anlaufstellen. Mit viel Energie machte sie das allerdings wett.
 
Gelohnt hat es sich. Mittlerweile wirft ihr Betriebszweig Gewinn ab. Und der Einkommensbeitrag dürfte künftig noch mehr werden, nachdem nun die wichtigsten Investitionen getätigt sind. Auch die Nachfrage spielt mit. Sämtliche Angebote sind auf Monate hinaus ausgebucht und auf Wartelisten stehen zahlreiche Interessenten, die vor allem über Mundpropaganda auf sie aufmerksam werden. Zugute kommt ihr, dass es bislang im Landkreis Freising, nordöstlich von München, keine ähnlichen Angebote gibt, bei denen Eltern mit ihren Kindern am Hof mitarbeiten, selbst melken oder ernten dürfen und anschließend aus den Produkten des Hofs ihre eigene Brotzeit herrichten können. Selbst wenn sich das ändern sollte, ist sich Sonja Hörrmannskirchner der Einzigartigkeit ihres Angebots sicher: „Die meisten Erlebnisbauernhöfe sind auf einmalige Besuche eingerichtet“, erläutert sie. Was ihr Angebot dagegen von anderen unterscheidet ist, dass sie neben diesen Kurzaufenthalten auch ein Programm mit Fortsetzung bietet: Eltern mit ihren Kindern können auch Mehrfachaufenthalte buchen und kommen an regelmäßigen Terminen immer wieder auf den Hof. „So erleben sie Landwirtschaft im Jahresrhythmus, von der Pflanzung oder Saat an begleiten sie etwa, was im Gemüsegarten oder auf dem Feld wächst und können es selbst ernten. Sie sehen wie ein Kalb auf die Welt kommt und wie es heranwächst“, schildert sie. Natürlich kommen da auch Fragen auf. „Was ist denn aus dem Kälbchen oder den Gänsen geworden“, werde sie oft gefragt. „Wir sind kein Streichelzoo. Wir wollen auch von unseren 40 Milchkühen leben. Deswegen ist es wichtig, den Kindern zu erklären, wie alles zusammenhängt und, dass es dazu gehört, dass Tiere geschlachtet werden“, ergänzt sie. Nie habe es bisher dann an Verständnis gefehlt. Und meist seien die Kinder ebenso wie die Erwachsenen schon sehr gespannt auf die Fortsetzung beim nächsten Erlebnistag auf dem Bauernhof Wieser.
 
Text: Detlef Steinert, dlz; Fotos: Ledényi


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