Stefan Schlagenhaufer, Pförring

 
Hopfenanbau im großen Stil

Auf dem Betrieb Schlagenhaufer im bayerischen Pförring bei Ingolstadt ist einiges los: Es wird im großen Stil gebaut! „Wir investieren in diesem Jahr 1,4 Mio. Euro unter anderem in neue Hopfengärten, eine zweite Hopfentrocknung sowie Unterkünfte für unsere Saisonarbeitskräfte“, sagt Dr. Stefan Schlagenhaufer und deutet auf einen hohen Neubau neben der bestehenden Halle. Dort entsteht die 74 m2 große Hopfentrocknung mit 3,2 MW. Die ist dringend notwendig, um den Hopfen innerhalb von zehn Stunden nach der Ernte von 80 Prozent auf 9 Prozent Wassergehalt zu trocknen. „Die momentane Trocknungsanlage ist 50 m2 groß mit 1,8 MW“, fügt der Landwirt hinzu. „Die Anlage reicht einfach nicht mehr aus.“
Denn die Anbaufläche ist seit dem Jahr 2006, als Stefan Schlagenhaufer die Leitung des Betriebs übernahm, von 20 auf 70 ha gestiegen (siehe Tabelle „Betriebsspiegel Schlagenhaufer“). „In diesem Herbst werden noch einmal etwa 27 ha dazu kommen“, so der promovierte Landwirt. „Insgesamt ist die bewirtschaftete Ackerfläche in den vergangenen 5 Jahren von 100 auf knapp 140 ha angestiegen.“
Der Hopfen ist dabei aber zweifelslos das wichtigste Standbein – und er bindet die meisten Kapazitäten. „Hopfenanbau ist mit langfristigen Investitionen verbunden“, erklärt Stefan Schlagenhaufer. „Die Anlage eines Hopfengartens kostet etwa 20.000 Euro. Das Gerüst besteht aus etwa 100 Pfählen pro Hektar und hält im Durchschnitt 30 bis 40 Jahre. Die Querseile müssen ebenso häufig ersetzt werden und die Drähte, an denen die Pflanzen hochranken, werden jedes Jahr neu angebracht, da der alte Draht bei der Ernte zusammen mit dem Hopfen abgerissen wird.“Eine Hopfenpflanze bleibt etwa 12 bis 15 Jahre im Garten bevor sie gerodet und durch eine neue Pflanze ersetzt wird.
Die Stecklinge dafür werden auf dem Betrieb Schlagenhaufer zum größten Teil selbst gezogen. „Wir haben für 6 ha die Pflanzen gekauft, das sind dann meistens neue Züchtungen. Der Rest stammt aus unserer eigenen Vermehrung“, so der Landwirt. „Die Kosten für zugekaufte Stecklinge belaufen sich auf etwa 3.500 Euro pro Hektar.“
Auf einem Hektar werden etwa 2.100 Stecklinge gepflanzt. Die Saisonarbeitskräfte sorgen im Frühjahr dafür, dass sich jeweils drei Triebe einer Pflanze an zwei Drähten der Sonne entgegen winden. Die restlichen Triebe werden abgeschnitten. Mitte Juli ist der Hopfen dann groß und entwickelt die Hopfendolden, die Anfang September reif sind. Damit kann die Ernte beginnen. „Derzeit dauert unsere Erntesaison etwa 32 Tage“, sagt Stefan Schlagenhaufer. „Wir werden die nächste Saison im Zweischichtbetrieb arbeiten, damit wir die gesamte Fläche schnell geerntet bekommen.“ Dazu ist ein hohes Maß an Technik notwendig: So stehen unter anderem acht Schlepper, davon vier mit Ladewagen, auf dem Betrieb.
Pro Hektar holen er und seine Mitarbeiter zwischen 15 und 25 t Frischmasse aus dem Garten. Die gesamte Ranke wird auf den Hof gefahren. An sieben Abladeplätzen wird das Erntegut entladen, die einzelnen Ranken in Förderketten gehakt, das Blattwerk – insgesamt 1.200 t jährlich – entfernt, und die gereinigten schließlich getrocknet. „Die Dolden müssen schnell getrocknet werden, da sonst die Qualitätsverluste zu hoch sind“, erklärt der Hopfenbauer, der die Steuerung der Trocknungsanlage sowie viel von der Einlagerungstechnik selbst entwickelt hat. Die Trocknungsanlage besteht aus drei Böden, durch die der Hopfen nach unten wandert. Die von Stefan Schlagenhaufer entwickelte Trocknungssteuerung ließ seinen Heizölverbrauch um 15 Prozent schrumpfen. „In diesem Jahr werden wir allerdings erstmals Erdgas einsetzen“, stellt der Landwirt klar. „Momentan wird dafür neben allen anderen Bauarbeiten auf dem Betrieb die Leitung von den Stadtwerken gelegt.“
Der Trocknungsprozess dauert etwa 4,5 Stunden. Danach wird der Hopfen in Säcken verpackt und eingelagert, bis einer der Abnehmer Bedarf meldet. Die gesamte Ernte ist dabei über mehrjährige Verträge verkauft. „Ich mache alles mit Verträgen, das gibt mir und der Bank Sicherheit“, sagt Stefan Schlagenhaufer. Er erwirtschaftet damit je nach Erntemenge und Sorte zwischen 7.000 und 14.000 Euro pro Hektar. Der Hopfen geht dabei nahezu ausschließlich in die Bierproduktion.
Mit dem Hopfen haben seine Mitarbeiter und er mehr als genug Arbeit. „Um ein wenig Entlastung zu schaffen, werden wir die Sauenhaltung in diesem Jahr auslaufen lassen“, berichtet Stefan Schlagenhaufer. „Wir werden uns weiter auf den Hopfen spezialisieren, da haben die Schweine keinen Platz mehr in unserem Betriebskonzept.“
Diese Spezialisierung hat auch zur Folge, dass der Hopfenexperte neue Anbautechniken testet, die sonst für die Branche unüblich sind: „Wir leiten die Hopfenpflanze zum Beispiel nur am Draht an, entfernen aber die überzähligen Triebe nicht mehr. Dadurch sind meine Mitarbeiter schneller. Jeder schafft pro Saison etwa 2 ha anzuleiten. In der konventionellen Anbauweise wären es nur etwa 1,2 ha“, ist der Junglandwirt überzeugt. „Außerdem verzichten wir ab Anfang Juli auf die Bodenlockerung. Dadurch ist der Boden bei der Ernte gut zu befahren und die Verschmutzung der Straßen wird vermindert – das freut die Autofahrer.“    

 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi  



BILDERGALERIE Stefan Schlagenhauer
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