Ulf-Peter Carstens, Friedrichsgabekoog

 
Bio 3.0

Als der 26-jährige Ulf Peter Carstens vor dreieinhalb Jahren in den Familienbetrieb Westhof in Friedrichsgabekoog mit einstieg, schien es, als könne man an dem großangelegten Bio-Ackerbaubetrieb nicht mehr viel optimieren: ein gut laufender Betrieb von über 600 ha bewirtschaftetem Land mit Gemüsekulturen, eigener Frosterei, eigener Vermarktungsgesellschaft, einem Gewächshaus mit mehr als 4 ha Fläche, Biogasanlage, kombiniertem Energiemanagement … Der Junglandwirt aber zeigte, dass er eigene Erfolge erreichen wollte, und legte los. Inzwischen hat er in seiner GbR, in der er mit einem Teilhaber für Anbau und Ernte von Möhren, Roter Bete, Kohl und vielen weiteren Gemüsen zuständig ist, so einiges revolutioniert. Immer im Blick: die Effizienz zu steigern und zugleich die Arbeitsbedingungen der 12 festangestellten und bis zu 100 saisonalen Arbeitskräfte zu verbessern. Nach und nach verbreiterte er die Arbeitsbreiten für die meisten Anbaugeräte von 3 auf 6 Meter, um die notwendigen Arbeitsschritte zu minimieren. Den für diese Größenordnung benötigten 900er Fendt-Traktoren stattete er mit einer Spezialbereifung aus, um den Boden möglichst wenig zu belasten. Für seine Maschinen schaute er sich dafür viel von holländischen Anbauern ab und entwickelte auch eigene Lösungen für Anbaugeräte und Traktoren. Mittlerweile bewirtschaftet der Westhof 1.000 ha Fläche nach den Richtlinien Bioland. Damit ist es der größte Bio-Betrieb Deutschlands. Kann Bio in einer solchen Größenordnung funktionieren? Ulf Peter Carstens beweist: Es geht! Ihm, seinem Vater und seinen drei Geschwistern, die alle in den Betrieb mit eingebunden sind, liegt der ökologische Landbau am Herzen. Naturschutz, soziale Verantwortung und ein ganzheitliches Denken finden sich in allen Betriebszweigen des Westhofs. Vorbildlich ist beispielsweise die siebenjährige Fruchtfolge, die Ulf Peter Carstens umsetzt: Kleegras (2 Jahre), Kohl/Gemüse, Getreide, Möhren, Rote Bete (bzw. andere Feldgemüse), Erbsen. Das Energiekonzept des Westhofs erstreckt sich über alle Betriebszweige und -gesellschaften, so dass auch ohne Tierhaltung (die 12 Runder, die auf dem Deich neben dem Hof grasen, sind eher Hobby) eine fast geschlossene Kreislaufwirtschaft möglich ist.
Ulf Peter Carstens hat sich in einem gut durchdachten Familienbetrieb von enormer Größenordnung seine eigene Nische geschaffen und erfolgreich mit viel Know-how und Erfindungsgeist weiterentwickelt. Er zeigt, dass Bio-Anbau auch in großem Stil nachhaltig und verantwortungsvoll betrieben werden kann. Einfach Bio 3.0!

 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi  



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