Ulrich Müller, Fischerbach

Der Naturvermarkter
 
Die Voraussetzungen waren schwierig, als Ulrich Müller 1991 den elterlichen Betrieb übernahm. 14 ha absolutes Grünland, hängige Lage, 36 ha Wald und alte Milchviehstallungen. Trotzdem hatte Müller das Ziel, von dem elterlichen Betrieb seinen Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu bestreiten. Dabei setzte Müller nicht auf mehr Fläche und mehr Milchkühe. „Mir war schnell klar, dass ich neue Betriebszweige finden und diese intensivieren muss.“
 
Heute hat Müller seine Strategie erfolgreich umgesetzt. Brotbacken, Weihnachtsbaum-Verkauf, Urlaub auf dem Bauernhof, Waldbewirtschaftung, Holzverstromung, Solaranlage und Schnapsbrennen sind die wichtigsten Betriebszweige des Schwarzwald-Betriebs in Fischerbach. Damit kann er sehr gut leben. Über die Jahre hat er sich immer etwas Neues einfallen lassen, um Produkte, die die heimische Landwirtschaft bietet, optimal zu vermarkten. Beispiel Holz: Gut acht Jahre tüftelte er, wie er mehr Geld für das Holz aus dem Wald erzielen konnte. So investierte er in dieser Zeit in eine Holzvergasungsanlage, mit der er Strom und Wärme erzeugt. 2010 war die Finanzierung der 420.000 Euro teuren Anlage klar und diese konnte ans Netz gehen. Heute liefert die Anlage 45 kW Strom und 90 kW Wärme pro Stunde.
 
Müllers Bauernbrot ist ein sehr wichtiges Standbein. Er und seine Frau Brigitte backen zusammen mit einer Hilfskraft von Montag bis Samstag täglich Brot. Dies verkauft er über verschiedene Raiffeisen-Märkte vor allem über seine Bauernmarkt „Marktscheune“. Den Markt hat Müller 2011 in rund 30 km Nähe seines Betriebs an der B33 in Berghaupten eröffnet. Nachdem keine Berufskollegen mit einsteigen wollten, hat Müller das Risiko und die Investition von rund 1 Mio. Euro alleine geschultert. Inzwischen vermarktet Müller dort über 600 regionale Produkte von rund 65 Landwirten aus der Region. Seit dem Start 2011 hat die Kundenfrequenz stetig zugenommen, so dass Müller seine Erweiterung, Lagerung, Küche sowie später Verkaufsflächen und der Gastronomie (Café, Restaurant) nun in Angriff nimmt. Doch nicht nur beim Vermarkten unterstützt Müller seine Berufskollegen. Etwa zwei Tage in der Woche ist er für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten wie Orts- und Kreisobmann des Badischen Bauernverbands oder als Vorstand im Badischen Verband für Klein- und Obstbrenner bzw. als Stellvertretender Vorstand des Bundesverbands für Kleinbrenner unterwegs.
 
Text: Josef Koch, dlz; Fotos: Ledényi


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