Ulrich Müller, Fischerbach

 
Ein Mensch, eine Marke
Am hintersten Ende eines Seitentals der Kinzig liegt der Hof von Ulrich Müller und seiner Familie. Ein schmuckes Haus im Zentrum. Ein Stall dahinter. Links und rechts zwei Altgebäude, die zu Ferienwohnungen umgebaut wurden. Schräg davor ein Backhaus. Ringsherum Wald und satte Weiden davor sowie Stille. Eine rechte Idylle. Hintertal lautet die Adresse. Das bestärkt ein wenig den Eindruck, dass die Zeit hier stehen geblieben sei. Doch das ändert sich schnell, kommt Ulrich Müller ins Plaudern. Denn er bezeugt viel Bewegung, seit er den kleinen Hof mit 1991 von seinen Eltern übernommen hat. Im Nebenerwerb bewirtschaftet bot er wenig Zukunftsaussichten. Er wollte Bauer sein und davon leben können. Doch wie schaffen mit 36 ha Wald und gerade mal 14 ha Grünland unter den Füßen sowie alten Ställen auf dem Hof? Nicht die besten Voraussetzungen für eine moderne und auf Produktivität ausgerichtete Entwicklung. Statt sein Ziel aufzugeben, dachte er nach, darüber, ob es auch Möglichkeiten gäbe, anderes zu machen als andere und sich so auszuklinken aus dem Druck zu wachsen oder zu weichen.
Ferienwohnungen gehörten dazu. Aber damit wäre er nur einer unter vielen im Schwarzwald gewesen. Mehr aus den Erzeugnissen vom eigenen Hof zu machen, aus dem Fleisch seiner Mutterkühe oder dem Obst seiner Wiesen, damit erweiterte er sein Angebot. Hinzu kamen Feierlichkeiten im Wald, etwa zu Weihnachten, für Firmen mit Christbaumschlagen, Lagerfeuer und Glühwein. Außerdem Brot aus der eigenen Backstube. Schließlich eine Anlage zur Verstromung von Holz.
Die Vielzahl hätte reichen können, wäre nicht um die Jahrtausendwende im Landkreis die Überlegung aufgekommen, im Rahmen der ländlichen Entwicklung Landwirtschaft und Tourismus über den Verkauf regionaler Produkte näher zusammen zu bringen. Da andere zögerten einzusteigen, griff Müller die Idee auf. Vor knapp vier Jahren eröffnet, läuft die Marktscheune im knapp 20 km vom Hof entfernten Gengenbach – am Tor zum Kinzigtal - mittlerweile so gut, dass eine Erweiterung bereits in vollem Gang ist. Je nach Saison gehen dort zwischen 800 bis 1.000 verschiedene Produkte, die meisten davon von rund 100 Bauernhöfen der Umgebung, über die Theken. Die Scheune dient nicht nur dem Verkauf, sondern bietet auch einen Gastronomiebereich. Vor allem dieser profitiert von der Vergrößerung. Gäste und Kunden sind nicht nur Touristen, sondern auch viele Einheimische.
Während andere Landwirte den Lebensmittelhandel für ruinöse Preise für Fleisch und Milch verantwortlich machen, beweist Müller mit der Marktscheune, dass die Marge nicht nur im Handel hängen bleiben muss. Und er stellt unter Beweis, dass Landwirte heutzutage nicht nur die Erzeugung beherrschen, sondern auch das Ein-Mal-Eins modernen Marketings. Denn ein wesentlicher Erfolgsfaktor seiner Geschäftsidee ist, dass seine Kunden die Produkte der Marktscheune klar identifizieren können. Eine einheitliche Marke für alle Produkte macht es möglich. Alles, was in der Marktscheune in die Körbe der Käufer wandert, trägt das unverwechselbare Markenlogo der Markscheune. Und damit unterstreicht er auch, dass er in der Marktscheune nicht bloß ein Geschäft sieht, sondern damit auch eine Botschaft verknüpft: Wertschöpfung in der Region zu halten und damit die heimische Landwirtschaft und Landschaft zu erhalten sowie Verbraucher und Bauern zusammenzuführen.

 
Text: dlz-Redaktion; Bilder: Philipp Ledényi  


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