Winfried Vees, Eutingen

Die Hoftankstelle
Auf dem Bauernhof von Juliane und Winfried Vees in Eutingen i.G. (Baden-Württemberg) gibt es eine Tankstelle, eine Gastankstelle. Hier können Autos Biomethan tanken. Dieses Gas wird nicht nur verkauft, es wird hier auch selber produziert. Das fängt mit dem Anbau von Energiepflanzen an, geht über die Produktion von Biogas bis hin zur eigenen Aufbereitung des Rohbiogas zu CNG. Das Rohbiogas ist dem Erdgas sehr ähnlich, Hauptbestandsteil ist Methan. Dieses Rohbiogas wird durch die Aufbereitung zu sogenanntem H-Gas, welche über ein Membrantrennverfahren von den Veeses selber duchgeführt wird. Um die gewünschte Qualität von 96 Prozent Methan zu bekommen, müssen alle unerwünschten „Fremdstoffe“ wie CO2 und Schwefelwasserstoff entfernt werden, da die Autos ja störungsfrei fahren wollen. Zurzeit wird für rund 10 Fahrzeuge am Tag das Rohbiogas aufbereitet. Danach wird es auf 250 bar verdichtet und kann mit allen Erdgasfahrzeugen gefahren werden. Die Hoftankstelle funktioniert wie jede andere CNG-Tankstelle, ist rund um die Uhr offen und bezahlt wird mit EC-Karte.
Für die Eheleute Juliane und Winfried Vees ist die Tankstelle die logische Konsequenz aus ihrem Engagement für die erneuerbaren Energien. So wird nicht nur Mais zu Methan vergoren, auf den Feldern rund um Eutingen wachsen auch das Szarvasi Gras, die Durchwachsende Silphie, aber auch Luzerne, Ackerfutter, Wildpflanzen und Gras füttert der Betrieb in die Biogasanlage. Alles Futter können Veeses nicht selber anbauen, dafür reichen die 56 ha Fläche nicht aus. Zu hohen Preisen pachten, kommt nicht in Frage. „Wir arbeiten mit sechs Kollegen gut zusammen und die bauen für uns Energiepflanzen an“, betont Winfried Vees. Das ist für Vees eine Win-Win-Situation: „Wir bekommen die Inputstoffe für unsere Biogasanlage, aber auch meine Berufskollegen können von der erneuerbaren Energie profitieren.“ Auch Pferdemist kommt in die innovative Biogasanlage. „Das bereitet bei der Eindosierung in die Anlage nur noch wenige Schwierigkeiten, da die Fütterungstechnik extra dafür ausgerichtet wurde. Für die Pferdebetriebe ist der Mist eher ein Problemstoff, daher sind sie froh, hier einen Abnehmer zu haben.“
Der Gärrest ist ein wertvoller Dünger, den die Bauern für den Anbau ihrer Pflanzen wieder nutzen können. Eine Kreislaufwirtschaft im besten Sinne. Auch hier zeigt sich Vees innovativ, er betreibt eine Vakuumverdampfung auf Industrieniveau. So wird die übrige Wärme der Biogasanlage genutzt und es entsteht ein höher konzentrierter Dünger für die Äcker. Es wird also weniger Wasser durch die Gegend gefahren, was die Transportkosten senkt und den Verkehr entlastet.
Ihr Wissen geben die Eheleute Vees gerne weiter: Aus dem alten Kuhstall wurde ein Seminarraum; die Studenten der Universitäten Hohenheim und Tübingen und der FH Rottenburg kommen regelmäßig im Rahmen des Studiums auf den Hof. Aber auch Nichtstudenten sind gerne willkommen um sich über Erneuerbare Energien auszutauschen, mehr Informationen bietet die Familie Vees im Internet unter www.energiehof-weitenau.de
 
Text: dlz-Redaktion; Fotos: Philipp Ledényi


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