Der Landwirt des Jahres 2020

Bei Felix Hoffarth bildet alles einen Kreislauf. Alle Bereiche passen zusammen und ergänzen sich. Damit zeigt er auf seinem Betrieb, wie moderne, nachhaltige Landwirtschaft aussehen kann.

Zum Abschluss des Jurorenbesuchs auf dem Betrieb Hoffarth im hessischen Lohra gibt es ein ausgezeichnetes Rindergulasch vom eigenen Angusrind. Hätte die Besucher der vorausgegangene Rundgang nicht restlos überzeugt, dann dieses wunderbare Mahl am Ende. Dieser Schlusspunkt war eine Bestätigung des zuvor Gesehenen, das richtige Ergebnis hinter dem Gleichheitszeichen. Im Garten sitzend und essend, am Mühlbach, der am Haus entlangfließt und der dem Hof Funktion und Namen gab: Eselsmühle.

Gemahlen wird hier schon länger nicht mehr. Dafür wird mittels Wasserkraft Strom erzeugt. Weitere Energie kommt von den Fotovoltaikflächen auf den Haus- und Stalldächern. 35 Haushalte versorgt der Hof auf diese Weise mit Strom. Die alten Backsteingebäude ergeben einen umschlossenen Innenhof, doch beim Gang durch den Stall, der sich gegenüber vom Wohnhaus befindet, offenbart sich eine Eigenschaft, die Hoffarth in die Wiege gelegt wurde: eine unbändige Tatkraft. Denn nach dem Stall kommt der nächste Stall, dann eine Reithalle, ein Lagerraum, und ein weiterer Stall, in dem im Sommer die Puten Platz finden und im ¬Winter die Rinder. Dann kommt der ¬Feldweg und danach ein 3.000 m² großer Aktivstall, in dem 20 Pferde stehen, zum Teil als Pensionspferde, zum Teil eigene Zuchttiere. Die zusätzlichen Bauwerke haben alle seine Eltern errichtet, doch der 27-Jährige hat sie und den ganzen Betrieb im letzten Jahr übernommen. Er hat auch schon eigene Pläne für weitere Ställe – sowohl für die Rinder als auch für die Puten, um die Direktvermarktung weiter auszubauen.

Seine Eltern waren es auch, die begannen, den Betrieb nach ökologischen Kriterien zu bewirtschaften. So wurde der Junior auf einem ökologisch wirtschaftenden Hof groß und hat erlebt, dass ein Betrieb auf diese Weise erfolgreich wachsen kann. Dem Agraringenieur ist es wichtig, dass ihn die Arbeit nicht aus dem Tritt bringt. So legt er besonderes Augenmerk auf das Aufteilen und Koordinieren der Tätigkeiten auf dem Hof. Die Arbeitsspitzen in den Betriebsbereichen sind fein aufeinander abgestimmt. Bei der Betriebsentwicklung beachtet er genau, wie und ob sich zusätzliche Arbeit auf das Jahr verteilen lässt. Neben dem Ackerbau sind es vor allem die Fleischrinder, die für den Landwirt im Mittelpunkt stehen und den Kreislauf auf dem Betrieb schließen. Dazu kommen die Puten, die die Stallfläche der Rinder im Sommer nutzen und die Pensions- und Zuchtpferde, die das Grünland beweiden. Wie konsequent die Bereiche durchdacht sind, zeigt sich bei den Angusrindern im Betrieb. Sie werden seit 1989 auf dem Hof gezüchtet.

Die Herde umfasst 47 Muttertiere mit Nachzucht und drei Deckbullen, insgesamt 115 Tiere. Einen Großteil der Nachzucht verkauft Hoffarth als Zuchtvieh. Dass nicht nur die inneren Werte der Angusrinder stimmen, sondern auch das Exterieur passt, machen die Schauerfolge deutlich, die die Familie mit ihren Tieren erringen konnte, darunter einen Europa-Champion und mehrfache Landessiegertitel. Der vertrauensvolle Umgang mit den Rindern ist ein wichtiger Bestandteil der Hoffarth´schen Fleischrinderphilosophie. Ohne dies wäre es kaum möglich, mit fremden Personen auf der Weide direkt in die kälberführende Mutterkuhherde zu gehen, um Tiere aus der Nähe zu beurteilen.

Der ruhige Umgang mit den Kühen ist zusätzlich auch eine hervorragende Grundlage für die vielen Kindergartengruppen und Schulklassen, die im Rahmen des Programms „Bauernhof als Klassenzimmer“ zu Besuch auf die Eselsmühle kommen.

Hinsichtlich der Zuchtphilosophie tritt der Betriebsleiter in die Fußstapfen seiner Eltern. Weder Kälber noch Muttertiere erhalten zusätzliches Kraftfutter. Nur die Bullen bekommen Bruchkorn des Betriebs. So selektiert Felix Hoffarth auf eine gute Milchleistung der Mütter.

Auch beim Transport zum Schlachthof in den nicht weit entfernten Ort Wetter hat der ruhige und möglichst stressfreie Umgang mit den Tieren Priorität. So werden immer mindestens zwei Tiere gemeinsam transportiert. Das Ergebnis des Aufwands und der Mühen ist ein wunderbares Stück Fleisch, dem Wertschätzung gebührt und dessen Geschmack die Juroren überzeugen konnte.