Der Landwirt des Jahres 2021

Was wäre, wenn ein Landwirt alles, was er produziert, zu Premium-Preisen verkaufen kann?
Christoph Leiders kann das – nach mehr als zwanzig Jahren und vielen mutigen Entscheidungen.

Wer Christoph Leiders trifft, der sieht vermutlich zuerst den echten Bauern. Lieber in Gummistiefeln und Overall als im Anzug.  Dann sieht er oder sie strahlende und sehr wache Augen. Und man merkt neben ihm einen sehr guten Umgang mit jedem, der ihm begegnet. Kunden, Familienmitglieder, Mitarbeiter, Ceres-Juroren – alle, die direkt mit ihm zu tun haben, gewinnen sehr schnell das Gefühl, dass Christoph Leiders einfach ein guter Typ ist. Ein passionierter Landwirt, der es geschafft hat.

Das war nicht immer so.

Im Leben eines jeden Landwirtes kommt wohl irgendwann der Moment, in dem er sich fragen muss: „Wie soll das alles hier nur weitergehen?“ Bei Christoph Leiders wird dieser Moment vor rund 25 Jahren gewesen sein. Ein Hof mit überschaubarer Schweinehaltung, die Milchviehhaltung schon aufgegeben, nicht sehr viel Ackerfläche, wenig Möglichkeiten, diese zu vergrößern. Was tun? 1997 stellt Leiders zusammen mit seiner Frau Beate um auf ökologische Landwirtschaft, drei Jahre später beginnt die Direktvermarktung, 2001 können Schlachthaus und Wurstküche eingeweiht werden. In den folgenden zwanzig Jahren schreibt die Familie Leiders vielleicht eine der schönsten landwirtschaftlichen Erfolgsgeschichten.

Heute, im Jahr 2021 ist der Stautenhof ein prosperierender Biohof mit Schweine-, Rinder- und Hühnerhaltung, Ackerbau, Metzgerei, Bäckerei, Hofladen und Gastronomie. 60 hoch motivierte Mitarbeiter sorgen gemeinsam mit der Familie für nachhaltigen Erfolg. Im hofeigenen Leitbild, das 2016 gemeinsam verabschiedet wurde, ist folgendes Leitprinzip verankert: „Wir wirtschaften im Einklang mit Mensch und Natur, ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogen.“

Wenn man den Stautenhof heute besucht, erscheint der Erfolg fast selbstverständlich: Der Hofladen ist kein kleiner Verschlag mit ein paar Eiern, einem Nudelregal und einer Kühltruhe für Fleischwaren. Der Kunde startet im historischen Hofgebäude an einer voll ausgestatteten Metzgerei-Theke, hinter der ihn ausgebildete Fachverkäuferinnen begrüßen. Er oder sie kommt dann an der Theke mit hauseigenen Backwaren vorbei. Lacht einen dort ein Kuchen an, kann man ihn gleich im zweistöckigen Bistro genießen, das geschickt in der Mitte dieses „Hof-Einkaufszentrums“ liegt. Bis zur Kasse geht es noch durch einen gut sortierten Bioladen mit Gemüse, Obst und haltbaren Lebensmitteln. In diesem ganzheitlichen Einkaufserlebnis liegt das Kraftzentrum des Stautenhofes: drei Viertel der dort verkauften Produkte stammen aus der eigenen Produktion, 95 Prozent der eigenen landwirtschaftliche Erzeugnisse können Leiders und seine Mitarbeiter hier direkt an ihre Kunden verkaufen. Alles bio, alles zu ordentlichen und nicht unverschämten Preisen. Aber eben auch sehr vieles mit besonderer Qualität und damit im Premium-Segment: Luftgetrockneter Schinken, Brot aus dem Holzbackofen, frisches Lamm, Stautenhof-Kartoffeln.

Man könnte nun viel über die ausgezeicheten Manager-Qualitäten von Christoph Leiders sprechen, hier soll es aber um den Landwirt gehen, dem es gelungen ist, eine sehr ursprüngliche Idee neu aufleben modern zu interpretieren: Der Bauer, den man kennt, dem man vertraut und dem man einen ordentlichen Preis bezahlt. Dass das auch in einer Welt möglich ist, in der es nur wenige Meter oder wenige Klicks bis zum nächsten Supermarkt sind, beweist der Stautenhof. Alles, was dort angeboten wird, ist eben um das Quäntchen besser, gesünder, authentischer, liebevoller, so dass Kunden einen Teil ihrer Ausgaben sehr bewusst für den Hof des Vertrauens reservieren. Um das, was früher einmal selbstverständlich war, für den Stautenhof aufrecht zu erhalten, muss auch das Team von Leiders viel tun. Eine Vollzeit-Mitarbeiterin kümmert sich um nichts anderes als um PR, also um Öffentlichkeitsarbeit. Die besondere Qualität der Produkte muss ständig neu erklärt werden, es braucht die richtigen Bilder und Geschichten dazu und natürlich viele Genuss-Ideen und Rezepte. Der Bauernhof, die Tiere und Menschen müssen immer wieder neu in Szene gesetzt werden, damit die Kunden kommen oder anrufen oder zumindest auf stautenhof.de vorbeischauen.

Das Ziel aber ist immer, dass die Kunden zu Besuch kommen. Denn dort kaufen sie nicht nur ein, sie erleben einen durch und durch gesunden Bauernhof, erleben die natürliche Herzlichkeit der Familie Leiders und der Stautenhof-Mitarbeiter, reden miteinander, nehmen sich Zeit füreinander und für das Hofleben.

So etwas war früher einmal vielleicht selbstverständlich. Heute ist es das nicht mehr. Es ist große Kunst.